Forschungs- und Kundenschulungszentrum in Ludwigsfelde
Doppelfassade und Glaskeramik
Das Forschungs- und Kundenschulungszentrum der Daimler Chrysler Aerospace steht in einem Hoch-Technologiestandort im Süden von Berlin. Kundenteams werden dort für die Wartung von Turbinen ausgebildet. Der Entwurf für das Zentrum ging als 1. Preis aus einem eingeladenen Realisierungswettbewerb 1998 hervor.
Auf drei Ebenen gruppieren sich flexible Einzel-, Kombi- und Großraumbüros um ein gebäudehohes ovales Atrium. Ein Erschließungsring um das Atrium herum hält die Wege in den oberen Geschossen zwischen den Projektteams kurz. Das Dach des Atriums ist verglast, so dass für zusätzliches Tageslicht im Gebäudeinneren gesorgt ist. Während das Erdgeschoss der Schulung und Repräsentation dient, sind in den Obergeschossen unterschiedliche Unternehmensschwerpunkte untergebracht.
Fassade
Die Fassaden des Gebäudes wurden in drei unterschiedlichen Konstruktionstypologien ausgeführt: An den Schmalseiten und Ecken des Baukörpers wurden in den Obergeschossen Doppelfassaden eingesetzt, die mit einem im Scheibenzwischenraum liegenden Sonnenschutz aus Raffstoreanlagen flexibel auf unterschiedliche klimatische Bedingungen im Winter- bzw. Sommerfall reagieren können. Im Winterfall wirkt der Zwischenraum als Wärmepuffer. Solare Energiegewinne kommen dem Gesamtenergiebedarf des Gebäudes zu Gute. Im Sommer regeln die geschützt liegenden Raffstores die klimatischen Bedingungen der Büroräume. Die zweite (äußere) Haut der Doppelfassade ist mit Punkthalterungen am Scheibenrand an einer Stahlkonstruktion befestigt. Die reduzierten Befestigungspunkte und der Einsatz von gebogenen Einfachglasscheiben lassen die Fassade sehr transparent und leicht wirken.
Die Hauptfassade parallel zur Straße wird von drei feststehenden Sonnenschutzelementen die geschossweise in den Deckenköpfen verankert wurden, dominiert. Die von den Architekten als „Surfboards“ bezeichneten Sonnenschutzelemente sind mit Aluminiumlamellen ausgefacht und sorgen für den notwendigen Schutz vor direkter Solareinstrahlung auf die Pfosten-Riegel-Fassade.
Auf der Nordseite ist das Gebäude mit einem glaskeramischen Material bekleidet und als vorgehängte, hinterlüftete Fassade ausgeführt. Die Glaskeramik ist ein Recyclingprodukt aus Floatglasbruch und Farbpigmenten die dem Glasgranulat zugesetzt werden. Die Platten (max. 2,44 x 0,52 Meter) wurden in liegenden Formaten über Hinterschnittanker aus Edelstahl und Agraffen an einer Aluminiumunterkonstruktion befestigt. In einem horizontalem Wechsel von gleichformatigen Fensterbändern und Glaskeramik gliedern Fenster und Bekleidungsmaterial die Rückseite des Hauses.
Bautafel
Architekten: Gewers Kühn und Kühn Gesellschaft von Architekten, Berlin
Entwurf: Becker Gewers Kühn & Kühn
Projektbeteiligte: LBJ Planungs-Ing.- und Consulting, Berlin (Tragwerksplanung); Arup, Berlin (Haustechnik); JASP Steinmetz, Nidda (Fassadenplanung)
Bauherr: Daimler Chrysler Aerospace MTU, Berlin Brandenburg
Fertigstellung: 2000
Standort: Ludwigsfelde
Bildnachweis: Jens Willebrand, Köln
Surftipps
www.gewers-kuehn-kuehn.de
www.baunetzwissen.de/Sonnenschutz > Arten und Formen
