Parkhaus in Skopje

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Frei geformtes Relief aus Hochdrucklaminatplatten

Ein Parkhaus in barockem Stil zu entwerfen, war die Vorgabe für einen Architekturwettbewerb, den die öffentliche Hand 2010 in Mazedoniens Hauptstadt Skopje auslobte. Die Bauaufgabe war Bestandteil des umstrittenen Stadterneuerungsprojekts Skopje 2014, mit dem die Regierung die Errichtung einer Vielzahl von Gebäuden, Monumenten und Denkmälern im klassischen Stil realisieren will. Die Architektur soll identitätsstiftend wirken, wird aber von Kritikern als „historischer Kitsch“ bezeichnet, der die multikulturelle Geschichte des Landes nicht widerspiegelt und Gelder unnötig verschwendet.

Für die Teilnehmer des Architekturwettbewerbs bedeutete die Entwurfsaufgabe dementsprechend eine besondere Herausforderung. Die Wiener Architekten Popelka Poduschka Architekten PPAG und Milan Mijalkovic entwickelten zusammen mit den ortsansässigen Goricanka Architekten zunächst eine Gebäudeform, in der die geforderten 315 Stellplätze sowie Flächen für Einzelhandel und Büronutzung untergebracht werden. Dann hüllten sie die gestapelten Parkebenen in eine Fassade, die dem Wunsch nach einer historistischen Gestalt nachkommt, ohne sich selbst der Sprache des Historismus zu bedienen.

Den Wettbewerb gewannen die Architekten mit ihrem Entwurf nicht – sie erhielten lediglich einen Ankauf – doch soll ihre Idee dem Premierminister so gefallen haben, dass die Fassade inzwischen an einem anderen Parkhausprojekt in Skopje realisiert wurde. Die Fassadengestaltung basiert auf einer Collage von Fotos, welche die Tochter der Architektin Anna Popelka von perspektivisch verzerrten Barockfassaden in Wien aufgenommen hatte. Die Architekten addierten das abstrahierte Bild zu einem endlosen Muster und gaben ihm durch die Überlagerung von vier Schichten eine räumliche Tiefe. Die plastische weiße Oberfläche mit geschwungenen ornamentalen Formen und regelmäßig gesetzten, unterschiedlich großen Öffnungen hebt sich aus der Umgebung deutlich hervor.

Fassade
Hergestellt ist das Relief aus weißen Hochdrucklaminatplatten (HPL), die wie für ein Landschaftsmodell verschnittfrei gelasert wurden. Aufwendiger war die rückwärtige Befestigung jedes Einzelteils mit Hinterschnittankern auf einer justierbaren Unterkonstruktion aus Stahl-Hohlprofilen. Sie ließ sich wohl nicht so leicht umsetzen, wie ursprünglich geplant und entwickelt in der Innenansicht ein ganz eigenes Bild.

Bei Tag fällt Licht durch die Öffnungen in den Innenraum und hinterlässt scherenschnittartige Schatten auf den geparkten Autos. In der Dunkelheit tritt Licht von innen nach außen und lässt die Fassade wirken wie einen „Lampenschirm“. Entscheidend ist indes die äußere Wirkung, die sich auf die Raumillusionen der Barockkunst bezieht. Die sentimentalen Sehnsüchte der Auftraggeber scheint die Fassade zu erfüllen, wenn auch die Architekten selbst in den Fassaden wohl eher eine subtile Kritik an Skopje 2014 sehen. -pn

Bautafel

Architekten: Popelka Poduschka Architekten PPAG und Milan Mijalkovic, Wien (Fassade), Goricanka Architekten, Skopje (Parkhaus)
Projektbeteiligte:
Nace Gicevski (Tragwerksplanung Fassade)
Bauherr:
Stadt Skopje
Fertigstellung:
2013
Standort:
Ulica Mito Hagzivasilev Jasmin 6382, 1000 Skopje, Mazedonien
Bildnachweis: Darko Hristov, Skopje

Architektenprofil

PPAG architects ztgmbh
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