Haus Vilmar in Kleinmachnow

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Modernisierung eines denkmalgeschützten Holzhauses

Das Haus Vilmar wurde im Jahr 1927 nach Plänen des ehemaligen Regierungsbaumeisters Werner Schenck errichtet. Der teilweise unterkellerte Holzständerwerksbau orientiert sich an den damaligen im nordamerikanischen Holzbau gewonnenen Erkenntnissen über schnelles und Material sparendes Bauen. 2000 wurde er unter Denkmalschutz gestellt.

Das Haus verfügt über 72m² Wohnfläche und 2006 bauten die Architekten Müller-Stüler und Höll unter denkmalpflegerischen und ökologischen Gesichtspunkten das Gebäude um; modernisierten und setzten es instand. Die ehemals geschlossene Veranda wurde geöffnet, fehlende Sprossen an vielen Stellen ergänzt sowie die Plattenstöße der Innenwände freigelegt und wieder durch Leisten abgedeckt. Verlorene Beschläge, Schalter und Steckdosen ersetzten die Architekten der Erbauungszeit entsprechend und die Fassade strichen sie mit Leinölfarbe nach restauratorischem Befund.

Im Zuge der Erneuerung der Haustechnik erhielt die kleine Villa eine Gasheizung mit Warmwasserspeicher, ergänzt durch einen gusseisernen Kaminofen. Sämtliche Rohrleitungen und sanitären Einbauten wurden erneuert. Zellulosedämmstoff in den Hohlräumen des Ständerwerks und eine Torfschüttung auf dem Dach verstärkt die Dämmung. Die neue Zweiflügeltür vor der Schiebetür zur Veranda ist isolierverglast. Küche und Wohnraum gehen nach Entfernung einer Trennwand ineinander über. Ein gedämmter Dielenboden auf Lagerhölzern ersetzt den vorhandenen Betonfußboden im Wohnzimmer. Die Sanitärfußböden bestehen aus Zementfliesenbelägen über einer Fußbodenheizung auf Trockenestrich.

Elektro/Gebäudetechnik
Die Architekten erneuerten die Elektroinstallationen vollständig; sie bauten wieder schwarze Drehschalter und Dosen aus Bakelit ein. Noch bis in die 60er Jahre wurde Bakelit für schwarze Schalter verwendet. Das synthetische Kunstharz erwies sich für elektrotechnische Anwendungen als ideal aufgrund einer bis dato unerreichten Festigkeit sowie hoher Temperaturbeständigkeit und Isolierfähigkeit.

Später ersetzten billigere Kunststoffe den Bakelit und er verschwand mit der Verbreitung der Thermoplaste vom Markt. Mit diesen ist Bakelit aber nicht vergleichbar. Es ist ungleich schwerer und weist haptische und optische Vorteile auf. Dies hat auch fertigungstechnische Gründe. Bakelit wird nicht im Spritzgussverfahren erstellt, sondern im „Matrizenverfahren“ aus der Rohmasse direkt in Form gepresst.

Bautafel

Architekt: Werner Schenck, Berlin; Müller-Stüler und Höll, Berlin (Planung und Modernisierung)
Projektbeteiligte: Manufactum-Produkt, Waltrop (Bakelitschalter)
Instandsetzung und Modernisierung: 2006
Standort: Geschwister-Scholl-Allee 48, 14532 Kleinmachnow
Bildnachweis: Mülller-Stüler und Höll, Berlin

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