Haus der Gegenwart in München
Gipsbauplatten als Wärmespeicher
Das Haus der Gegenwart sollten die eingeladenen Architekten für das SZ-Magazin planen: ein Haus für vier Personen, auf einem stadtnahem Münchener Grundstück von 500 m² zu einem Preis von ca. 250 000 Euro. Eine internationale Jury bewertete die 34 eingereichten Modelle und prämierte den Entwurf der Architekten Allmann, Sattler und Wappner als Sieger.
Grundidee der Architekten ist es, auf dem engen Grundstück den drei „privaten Zimmern kohärente Außenräume“ zuzuweisen, die durch Hecken zoniert werden. Über eine gemeinsame Erschließungs- und Funktionsfläche erhält jeder einen separaten Zugang zu den drei Privatboxen. Diese sind über innen liegende Treppen mit der „schwebenden Kollektivbox“ verbunden, die als Gemeinschaftsraum die Funktionen Kochen/Essen, Wohnen und Medien aufnimmt. Der Außenraum unter der Kollektivbox ist Garage, Vorplatz und Hobbyraum in einem. Die einzelnen Boxen und die gegliederten Freiräume bilden somit als Raumkontinuum eine untrennbare architektonische Einheit.
Das Haus war Ausstellungsobjekt der Buga 05 und ist weiterhin öffentlich zugänglich. Hier finden Diskussionen und Ausstellungen zu den Themen Architektur, Design, Wohnen und Stadtentwicklung statt. Microsoft als Entwicklungspartner demonstriert in dem Gebäude zeitgenössische Technik für Haussteuerung, Kommunikation und Mediennutzung.
Wärmedämmung
Die Boxen wurden in Holzständerbauweise errichtet. Die Dämmung der Außenbauteile ist in Mineralwolle ausgeführt und als Ergebnis der energetischen Simulation in unterschiedlichen Dämmstärken ausgeführt. Die Wände und der Boden der Gemeinschaftsbox sind mit 20 cm gedämmt, das Dach mit 40 cm. Die Wände der drei Wohnboxen verfügen über eine Dämmstärke von 15 cm, die Dächer wiederum über 20 cm dicke Dämmung. Der erdberührende Boden der Wohnboxen ist mit Styropor gedämmt. Durch den hohen Fensterflächenanteil haben die Glasflächen einen relevanten Anteil am Gesamtwärmeverlust. Deshalb wurden Scheiben mit einem U-Wert von 1,1 verbaut.
Das Gebäude wird durch Fernwärme beheizt. Eine Fußbodenheizung und konditionierte Zuluft sorgen für den Wärmeeintrag in den Räumen. Die Abluft erfolgt durch den Gemeinschaftsraum.
Nachteil leichter Holzständerbauweisen sind die hohen Temperaturschwankungen der Innenräume in Bezug zur Außenlufttemperatur. Die geringen Baumassen sorgen für einen Barackeneffekt, im Sommer heizen sich tagsüber die Innenräume schnell auf. Dies wird aufgefangen durch rund 600 m² PCM Gipsbauplatten mit 30 % microverkapseltes Parafin (Schmelzpunkt von 23 °C).
Insgesamt sorgen 1.800 kg Latentwärmespeichermaterial für das gemäßigte Temperaturmanagement. Die Phasenwechselmaterialien (PCM) nehmen wie schwere Baustoffe die überschüssige Wärme auf und geben Sie bei niedrigeren Temperaturen (nachts) wieder ab.
Die statistischen Auswertungen der Wetterdaten des Testreferenzjahres München haben ergeben, dass mit dem PCM-Materialien die empfundenen Raumtemperaturen über 24 °C nur etwa 1/3 der Häufigkeit des Referenzraumes in konventioneller Trockenbauweise betragen. Der thermische Komfort ist daher mit den modernen Materialien deutlich besser.
Bautafel
Architekten: Allmann, Sattler, Wappner Architekten, München
Projektbeteiligte: Stadt München, Buga 2005 München, Microsoft, BMW Group (Entwicklungspartner); Transsolar, München (Energetische Simulation)
Bauherr: HDG, München
Fertigstellung: 2005
Standort: München
Bildnachweis: Myrzik + Jarisch Fotografen
Zum Thema
- Expandiertes Polystyrol (EPS)
- Mineralwolle
Surftipps
www.haus-der-gegenwart.de
Interview mit Allmann Sattler Wappner
