Gemeindezentrum Ludesch in Vorarlberg/A
Energieeffizienter Neubau mit Dämmung aus Schafwolle
Die kleine Gemeinde Ludesch liegt im Walgau in Vorarlberg im äußersten Westen Österreichs. Ihre Größe hat sich in den vergangenen Jahrzehnten fast verdoppelt und umfasst derzeit etwa 3.300 Einwohner. Da in der Gemeinde der Umweltschutz einen hohen Stellenwert innehat, entschieden sich Bauherren für ein hocheffizientes neues Gemeindezentrum des Architekturbüros DI Hermann Kaufmann.
Nachhaltigkeit wurde für das Vorhaben zum primären Ziel. Als Leitfaden wurden drei Teilziele formuliert: Ökologie, Ökonomie und Soziales. Ökologisch war vor allem die Verwendung von gesundheits-, klima- und umweltverträglichen Materialien vorgeschrieben, die darüber hinaus wieder verwertbar sein sollten. Daneben galten der minimale Energieverbrauch und die ökonomische Rentabilität als entscheidende Kriterien.
Das Zentrum ist gut erreichbar und vielseitig nutzbar, es soll dadurch langfristig zum Treffpunkt des Dorfes entwickeln. In dem Gebäude sind neben den Gemeindeämtern auch die öffentliche Bücherei, eine Kinderspielgruppe, die Poststelle sowie Geschäfte, Büros und eine Cafeteria untergebracht.
Die Konstruktion ist überwiegend aus heimischer Weißtanne gefertigt, die über eine örtliche Agrargemeinschaft direkt an Ort und Stelle bezogen wurden. Dieses Holz ist sowohl in der Fassade als auch in der Konstruktion und im Innenausbau eingesetzt worden und prägt damit den gesamten Bau. Für die Wände kamen sägeraue Bretter zum Einsatz, bei Decken und Möbeln wurden gebürstete Oberflächen verwendet.
Das Gemeindezentrum wird über ein Nahwärmesystem aus einer Holzhackschnitzelanlage versorgt. Die Lüftungsanlage nutzt die Energie des Erdreichs über eine Grundwasserpumpe zur Heizung bzw. Kühlung. 30 m² thermische Kollektoren auf dem Dach decken einen Großteil des Warmwasserwärmebedarfs.
Das 350 Quadratmeter große Photovoltaik-Dach aus 120 transluzenten Modulen über dem neuen Ludescher Dorfplatz erfüllt mehrere Zwecke. Zum einen werden jährlich rund 16.000 Kilowattstunden Solarstrom erzeugt und ins öffentliche Stromnetz eingespeist - das entspricht rund 11.000 Euro Einnahmen von pro Jahr. Zum anderen bilden die Module einen Sonnenschutz für den großen Gemeindevorplatz und für die Büroräume im Obergeschoss. Das Ludescher Sonnendach stellt damit die zurzeit größte derartige Anlage in Österreich dar.
Wärmedämmung
Die Außenwände des Gemeindezentrums wurde mit 30 cm Zellulosedämmung versehen. Zusätzlich kam bei Zwischendecken und Wänden im großen Maßstab Schafwolle zum Einsatz. Die Planer setzen hier vor allem auf die raumklimatische Wirkung des natürlichen Dämmstoffs.
Schafwolle kann bis zu 33 % des Eigengewichts an Feuchtigkeit aufnehmen und bei Bedarf wieder abgeben. Die Wärmeleitfähigkeit liegt bei etwa 0,04 W/m²K. Schafwolle besitzt die Fähigkeit, in gewissem Maße schädliche Substanzen aus der Luft zu filtern. Auch entzieht die Wolle der Luft unangenehme Gerüche. Die Schafwolle wurde - wie in früheren Zeiten - lediglich gewaschen. Um Mottenfraß vorzubeugen, hat man sich für eine zusätzliche Behandlung mit dem Enzym Mitin FF entschieden. Dieses Mittel wird in der Textilindustrie seit Jahrzehnten mit Erfolg eingesetzt, es ist gesundheitsverträglich, wird nicht an die Luft abgegeben und gilt deshalb aus ökologischer Sicht als akzeptabel.
Allerdings setzen die Brandschutzbestimmungen dem Einsatz von Schafwolle an manchen Stellen Grenzen: Sie wird in Baustoffklasse B2 eingestuft und darf daher im Bereich von Fluchtwegen nicht in abgehängte Decken eingebaut werden. Deshalb haben die Architekten in diesen Bereichen auf Mineralwolle zurückgegriffen.
Insgesamt enthält das Gemeindezentrum nun 5.607 Kilogramm Schafwolle. Diese Menge entspricht der Herbstschur von 2.242 Schafen und einem Drittel der jährlichen Produktion in Vorarlberg. Schafwolle befindet sich in den Fensterbänken und teilweise in den Decken sowie in den Zwischenwänden.
Das Gebäude erfüllt die Anforderungen an die Passivhausbauweise.
Bautafel
Architekten: DI Hermann Kaufmann GmbH, Schwarzach/A
Projektbeteiligte: Mader & Flatz Ziviltechniker, Bregenz/A / Merz Kaufmann Partner, Dornbirn/A (Statik); DI Bernhard Weithas, Höchst (Bauphysik); Österr. Institut für Baubiologie und -ökologie, Wien/A (Baubiologie), Isolena, Waizenkirchen/A (Hersteller Schafwolldämmstoff)
Bauherr: Gemeinde Ludesch/A
Fertigstellung: 2005
Standort: Raiffeisenstraße 56, A-6713 Ludesch/A
Bildnachweis: Gemeinde Ludesch (1 und 2), DI Hermann Kaufmann (3 und 4)
