Mensa des Erasmus-Grasser-Gymnasiums in München

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System mit vorgefertigten Elementen in Holzbauweise

An deutschen Gymnasien wurde die Schulzeit von neun auf acht Jahre verringert, seitdem muss jede Schule vermehrt Nachmittagsunterricht anbieten. Als eine weitere Folge der Umstellung von G9 auf G8 verbringen nun die meisten Schüler ihre Mittagspause in der Schule und erledigen dort auch ihre Hausaufgaben. An vielen Gymnasien sind deshalb Erweiterungsbauten für eine Mensa und zusätzliche Schulräume nötig geworden. Mit dieser Aufgabe sind häufig folgende Probleme verbunden: Es ist oft kein Platz für den Neubau vorhanden, er wird lediglich durch Verkleinerung des Pausenhofs oder des Sportplatzes ermöglicht. Außerdem kommt es meist zu einer massiven Störung des laufenden Schulbetriebs während der Bauphase, da ein Neubau nicht innerhalb der sechs Wochen Sommerferien erstellt werden kann.

Das Münchener Architekturbüro Schankula hat ein System für Schulmensen in Fertigbauweise entwickelt, das den oben genannten Schwierigkeiten entgegenwirkt. Es wurde beim Neubau der Mensa am Ludwigsgymnasium/Erasmus-Grasser-Gymnasium in München zum ersten Mal angewendet. Einerseits kamen vorgefertigte Bauelemente zur Ausführung, die zu einer sehr kurzen Bauzeit führten und damit die Störungen des Schulbetriebs minimierten. Andererseits ist das Gebäude im Erdgeschoss teilweise aufgeständert und bietet so einen überdachten Freiraum für den Pausenhof, der nicht verkleinert wird und seinen schönen Blick auf den im Norden gelegenen Park behält.

Der Neubau liegt zwischen die beiden Bestandsgebäude des Ludwiggymnasiums und des Erasmus-Grasser-Gymnasiums und rahmt den gemeinsamen Pausenhof. Seine Zugänge sind Richtung Pausenhof orientiert und können von den Haupteingängen der beiden Bestandsgebäude auf kurzem Weg erreicht werden. Die benötigten Funktionen wurden auf drei Geschosse verteilt. Im EG befindet sich ein Lese- und Ruheraum mit einer großen Glasfront in Richtung des überdachten Freibereichs. Über zwei stirnseitig angeordnete Treppen und einen Aufzug gelangen die Schüler und Lehrer in die Obergeschosse. Der Speisesaal im 1. OG erstreckt sich über die gesamte Gebäudebreite mit Ausblicken zum Pausenhof im Süden und zum Park im Norden. Ebenfalls im selben Geschoss liegt die Küche samt den notwendigen Nebenräumen. Im 2. OG sind Hausaufgaben- und Gruppenräume und die Sanitäreinrichtungen untergebracht.

Die Holzfassade besteht aus Buchenholzrahmen. Dunkle Fassadenplatten aus Schichtstoffplatten wechseln sich mit großen Verglasungen ab. Auf der Südseite ist der Sonnenschutz außenseitig an der Fassade angebracht. Der Fassade sind Wetterschutzgitter aus Edelstahl vorgesetzt, sie dienen auch als Einbruchschutz.

Wärmedämmung/Konstruktion

Das Gebäude besteht aus vorgefertigten Dach-/Decken- und Fassadenelementen in Holzbauweise, die innerhalb weniger Tage auf der Baustelle montiert werden konnten. Die Dach- bzw. Deckenelemente sind 11,0 x 2,5 m groß und spannen über die gesamte Gebäudetiefe. Sie enthalten eine integrierte Wärmedämmung und ihre sichtbare Oberfläche besteht aus Furnierschichtholz. Der DIN 4102-2 entsprechend lautet ihre Klassifizierung F90B. Bei der Montage wurden die Gebäudestützen passgenau mit stirnseitig in den Deckenelementen liegenden Stahlprofilen verschraubt.

In die Fassadenelemente aus Buche-Furnierschichtholz sind alle notwendigen technischen Komponenten integriert, beispielsweise Heizkörper samt Nische, sowie die Leitungen und Dosen zur Elektroversorgung. Sie wurden außenseitig zwischen die Stützen eingeschoben und anschließend mit den Deckenelementen verschraubt.

Das begrünte Flachdach erhielt eine Gefälledämmung bestehend aus 20 -120 mm EPS mit WLG 040. Die darunter liegende Dachbahn kam vorgefertigt auf die Baustelle und wurde nur noch umlaufend an der Attika befestigt. Die Wärmedämmung der Dachelemente besteht dagegen aus Mineralwolle mit der WLG 035, sie hat eine Dicke von 300 mm. Außer für die Gefälledämmung im Dach und beidseitig der Bodenplatte wurde zur Dämmung des Hauses ausschließlich Mineralwolle mit unterschiedlichen Wärmeleitfähigkeitsgruppen verbaut. Die Deckenelemente erhielten eine Schicht 280 mm Mineralwolle (WLG 040) und zum Teil zusätzliche Schallschutzelemente aus 80 mm Stahlbeton. Die hinterlüftete Wärmedämmung der Brüstungsfassade ist ebenfalls aus Mineralwolle (WLG 035, 80 mm). Innenseitig befindet sich an den Wandelementen eine 60 mm tiefe Installationszone, sie wurde mit MW der WLG 040 aufgefüllt. Die Bodenplatte ist unterseitig mit 100 mm XPS und oberseitig mit 60 mm EPS ausgeführt. Der Endenergiebedarf des Gebäudes liegt bei 58,1 KWh/m²a.

Der Holzbau bietet neben der präzisen Vorfertigung und der daraus resultierenden kurzen Bauzeit weitere Vorteile: Holz ist ein Naturprodukt und beeinflusst die Raumqualität positiv. Die Fähigkeit zum Feuchteaustausch und die als warm empfundene Oberfläche bewirken ein angenehmes Raumklima. Im Holzbau können trotz geringem Energieaufwand hoch wärmegedämmte Bauteile hergestellt werden. Die Anschlüsse der einzelnen Elemente erfolgen weitgehend wärmebrückenfrei.

Angewandt wurde dieses Bausystem inzwischen für zwei weitere Schulmensen in München, dem Mensagebäude Michaeli Gymnasium und dem Mensagebäude Ludwig-Thoma-Realschule.

Bautafel

Architekten: Schankula - Architekten/Diplomingenieure, München
Projektbeteiligte: Grad Ingenieurplanungen, Ingolstadt (Statik); TGA Consulting Kulle & Hofstetter, München (HLS)
Bauherr: Landeshauptstadt München, Baureferat H3
Fertigstellung: 2007
Standort: Fürstenriederstraße 159, München

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