Museum Liaunig in Neuhaus

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Aussichtsreicher Einschnitt ins Hochplateau

Der Industrielle Herbert W. Liaunig hat im Kärntner Neuhaus ein Museum für seine Kunstsammlung errichten lassen. Gezeigt werden darin zeitgenössische Kunst sowie Schmuck- und Kultobjekte aus Gold von afrikanischen Königsstämmen des 19. und 20. Jahrhunderts.

Das Museum wurde nach Plänen von Querkraft Architekten quasi in ein Hochplateau hineingeschnitten, durchbricht an einer Seite eine dicht bewaldete Böschung und gibt damit den Blick frei auf die 70 Meter darunter liegende Drau, einen Nebenfluss der Donau. Der einzige von außen sichtbare Baukörper ist die lang gezogene Ausstellungshalle mit den angeschlossenen Terrassen. Der Eingangsbereich wurde ebenfalls in das Gelände eingeschnitten und orientiert sich zur naheliegenden Gemeinde Neuhaus. Er führt die Besucher über das Schaudepot zu den Ausstellungsbereichen. Weitere Nutzungen, wie die Grafiksammlung, die Gold-Sammlung, der Werkstattbereich und das Schaudepot, befinden sich unter der Erde. Dies ermöglicht ein großes Einsparungspotenzial hinsichtlich teurer Fassadenflächen aber auch eine energieeffiziente Betriebsführung.

Die grafische Sammlung liegt in einem tageslichtfreien, leicht konisch geschnitten Raum parallel zum rampenförmigen Zugang und wird direkt von der Haupthalle erschlossen. Ein Fenster Richtung Neuhaus am Ende des Grafikrundganges gibt den Blick auf das Foyer frei. Die Goldsammlung liegt in einem eigenständigen Baukörper aus Sichtbeton, mit einer dunkelblauen Lasur. Erschlossen wird diese über einen schmalen Zugang begleitet von einer Lichtinstallation von Brigitte Kowanz. Als Materialien dominieren Sichtbeton, Stahl und Glas. Insbesondere der Tageslichtplanung wurde während der Planung besonderes Augenmerk gewidmet.

Die tragenden Wände der Halle mit einer Länge von 160 und einer Breite von 13 Meter wurden aus Sichtbeton erstellt und mit Bogenschalen aus dem Industriebau gedeckt. Die Konstruktion der auskragenden Terrassen ist dem Brückenbau entnommen. Einbetonierte Brückenvorspannkabel aus Stahl erhielten eine Vorspannung und nehmen dadurch die Zugkräfte auf. Zusätzliche Ortbetonträger in einem Achsraster von 6,50 Meter nehmen den Erddruck auf die Außenwände aus. Die Belichtung erfolgt über transluzente Oberlichter. Der Sichtbeton wurde von außen gedämmt und mit einem Blech bekleidet. Dies scheint dem Agrarbau entlehnt zu sein und wirkt wie ein schillernder Panzer. Die Verkleidung reißt im Bereich der Terrassen ab, da hier keine Wärmedämmung notwendig ist.

Wärmedämmung
Alle eingegrabenen Bauteile sind außen gedämmt und weisen innen Sichtbetonflächen auf. Dadurch konnte die Abdichtungsebene umlaufend um alle senkrechten und waagerechten Flächen herumgelegt werden. Die Flachdächer sind als Umkehrdächer ausgeführt und mit 40 cm Erdreich überdeckt. Als Dämmung wurde extrudiertes Polystyrol (EPS) verwendet: Die Wände erhielten eine 10 cm dicke, die Decken eine 20 cm dicke Dämmschicht.

Das Dach der Ausstellungshalle besteht aus einer zweilagigen Schale mit 18 cm Wärmedämmung, die Blechbekleidung der freiliegenden Außenwände ist hinterlüftet.

Bautafel

Architekten: querkraft Architekten, Wien
Projektbeteiligte: Werkstatt Wien (Gerneralplaner); Pfeifer, Graz (Bauphysik); Strabag Technik, Wien (Haustechnik); Klaus Pokorny, Wien (Tageslichtsimulation); Doka, Arnstetten (Sichtbeton)
Bauherr: Herbert W. Liaunig
Fertigstellung: 2008
Standort: Neuhaus, Kärnten
Bildnachweis: Lisa Rastl, Wien

Architektenprofil

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