Jugend- und Nachbarschaftszentrum in Amsterdam/NL

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10 | 11 | 12 | 13 | 14 | 15 | ... | 19 |

Polyurethan-Sprühsystem als Fassadendämmung

Im Amsterdamer Stadtteil Osdorf wird seit den 1990er Jahren ein großes Stadterneuerungsprojekt realisiert: Bauten, die nach dem zweiten Weltkrieg entstanden sind, werden nach und nach abgerissen und durch neue Gebäude ersetzt. Erhaltenswert sind dabei die zwischen den ehemaligen Wohnblöcken angesiedelten, üppig bewachsenen Streifenparks. In einem solchen steht das Jugend- und Nachbarschaftszentrum De Hood, dessen Planung und Ausführung das Atelier Kempe Thill aus Rotterdam übernahm.

Der zweigeschossige, rechteckige Solitär fügt sich mit genügend Abstand zwischen Baumbestand und umgebende Bebauung ein. Das Erdgeschoss ist allseitig verglast, wodurch der Übergang zwischen innen und außen verwischt. Streifenpark und Baumbestand werden auf diese Weise zu einem Teil des Innenraums, der als „öffentliches Wohnzimmer" weithin sichtbar ist.

Im Gegensatz zur Transparenz des Erdgeschosses ist das Obergeschoss massiv. Hinter der weißen, hermetisch abgeschlossenen Fassade befindet sich ein Multifunktionsraum, dessen Innenoberflächen ebenfalls komplett in weiß gehalten sind. Von oben wird der sehr hohe Saal durch zwei große Oberlichter natürlich belichtet. Der Kontrast zwischen der Fassadengestaltung der beiden Geschosse zeigt sich überraschenderweise auch in der Wahrnehmung der Räume: Der scheinbar allseits umschlossene Saal erscheint heller als das verglaste Erdgeschoss.

Wärmedämmung/Konstruktion
In Anlehnung an den Industriebau wurde das Gebäude aus einer kostengünstigen Stahlkonstruktion mit Kalksandsteinausfachung errichtet. Die bis zu 5 m langen Scheiben der Ganzglasfassade im Erdgeschoss sind oben und unten von Stahlprofilen gehalten.

Die 15 cm dicken Kalksandstein-Wände im Obergeschoss wurden mit einem Polyurethan-Sprühsystem gedämmt. Diese Art der Dämmung wird normalerweise bei Erdöltanks und Schweineställen verwendet. Der aufgespritzte, anfänglich flüssige Kunststoff schäumt später auf und härtet aus. Die auf diese Weise entstandene grobe und raue Oberfläche musste mit einem UV-Schutzanstrich versehen werden. Weil der Polyurethan-Schaum der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 022 entspricht, war eine Dämmstärke von 12 cm für diese Projekt ausreichend.

Die Zwischendecken und das Dach sind als Stahlbetonhohldecken und Stahlbetonelementdecke konstruiert. Das bekieste Flachdach ist mit Gefälledämmung (Dicke 14 bis 22 cm) aus nicht brennbarer, druckbelastbarer Mineralwolle der WLG 040 ausgestattet. Unter dem ebenfalls mit Polyurethan beschichteten Anhydritestrich und der Fußbodenheizung der Geschossdecke wurde eine 65 mm druckfeste PU-Dämmung angeordnet. Die Bodenplatte ist unterseitig mit 10 cm Polystyrol gedämmt.

Bautafel

Architekten: Atelier Kempe Thill, Rotterdam/NL
Projektbeteiligte: Breed Integrated Design, Den Haag/NL (Tragwerksplanung);  Adviesbureau Nieman, Zwolle/NL (TGA); Rockwool, Gladbeck (Dachdämmung)
Bauherr:
Ymere Ontwikkeling, Amsterdam/NL
Fertigstellung: 2011
Standort: Reimerswaalstraat 101, Amsterdam/NL
Bildnachweis: Ulrich Schwarz, Berlin

Surftipps

Interview und weitere Projekte vom Atelier Kempe Thill unter www.baunetz.de/talk

Standort in Google Maps anzeigen