Erweiterung des Martino-Katharineums in Braunschweig
Besenstrichtechnik auf Wärmedämmverbundsystem
Als das Braunschweiger Gymnasium Martino-Katharineum in eine Ganztagsschule umgewandelt werden sollte, war der Stadt klar, dass dafür zusätzliche Räumlichkeiten benötigt wurden. Sie beauftragte deshalb das Büro KSP Jürgen Engel Architekten mit der Planung eines Erweiterungsbaus, der sich heute auf dem Schulgelände, in unmittelbarer Nähe zum Altstadtmarkt im historischen Stadtkern, befindet.
Das dreigeschossige Gebäude ergänzt das Ensemble an der Breiten Straße und nimmt die Raumkanten und Höhenentwicklung der Umgebung auf. Zwischen der Aula und dem Neubau ist der Zugang zum Schulgelände eindeutig definiert, wobei der dreiseitig eingerahmte Schulhof zur Breiten Straße hin abgeschirmt wird. Die Fassade zur Straßenseite ist weitgehend geschlossen, der Eingang öffnet sich zum Schulhof. Man betritt das Gebäude über ein zweigeschossiges Foyer, das über die komplette Höhe verglast ist. Im Erdgeschoss befindet sich ein multifunktionaler Veranstaltungssaal mit Bühne, der bis zu 100 Sitzplätze fasst. Um die Verbindung zwischen innen und außen herzustellen, sind die großen bodentiefen Fenster und Türen so gestaltet, dass sie unverstellte Blicke in die Umgebung erlauben.
Eine große, offene Treppe führt vom Foyer in die beiden darüber liegenden Geschosse. Im ersten Obergeschoss befindet sich eine Mediathek mit Computerarbeitsplätzen sowie ein Gruppen- und Sammlungsraum. Im zweiten Obergeschoss sind zwei Musik- und Gruppenräume sowie ein Sammlungsraum untergebracht.
Die Gestaltung der Fassade reagiert auf die hellen Sandstein- und Putzfassaden der näheren Umgebung. Der sandfarbene Modellierputz mit seiner groben Struktur wurde in der Besenstrich-Technik aufgetragen und steht im Kontrast zu den weißen, scharfkantigen Faschen, welche die Fensteröffnungen einfassen. Sie sind auf die Fassade aufgesetzt und akzentuieren die unregelmäßige Anordnung der Fensteröffnungen.
Wärmedämmung/Konstruktion
Das Gebäude wurde in Stahlbetonbauweise mit 24 cm dicken tragenden Wänden und unterzugsfreien massiven Betondecken in Dicken von 32 und 35 cm errichtet. Es ist nicht unterkellert und auf einem Pfahlrost mit darunter liegenden lastabtragenden Pfählen gegründet. Die Bodenplatte ist oberseitig mit einer druckfesten Wärmedämmung und einer Lage Trittschalldämmung versehen, seitlich und an den Fundamentschürzen verläuft eine 6 cm dicke Perimeterdämmung.
Die Fassaden sind mit einem Wärmedämmverbundsystem (WDVS) versehen. Die 14 cm dicke Wärmedämmung aus expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS) der Wärmeleitfähigkeitsgruppe (WLG) 035 ist im Erdgeschoss bis zu einer Höhe von 2 m mit einer 0,8 cm dicken, stoßfesten Putzträgerplatte verstärkt. Über den Fensterelementen wurde ein 20 cm hoher Brandriegel aus nicht brennbarer Mineralwolle umlaufend eingebaut. Die Herstellung der Faschen erfolgte mit einem Granulat aus einem Glas-Recyclingmaterial.
Das Flachdach ist ebenfalls mit expandiertem Polystyrol-Hartschaum (EPS) der WLG 035 gedämmt, wobei die mittlere Dämmstärke 22 cm beträgt. Die Dämmung besteht aus zwei Lagen: einer 10 cm dicken Grundplatte und einer Gefälledämmung mit Stärken von 31 bis 211 mm.
Bautafel
Architekten: KSP Jürgen Engel Architekten, Braunschweig
Projektbeteiligte: Martens + Puller, Braunschweig (Statik), Bow Ingenieure, Braunschweig (HLS), CG Grochau, Bad Münder (Einrichtungsplanung), HHP Nord/Ost, Braunschweig (Flucht-, Rettungsweg- und Brandschutzpläne)
Bauherr: Stadt Braunschweig, Fachbereich Gebäudemanagement
Fertigstellung: 2011
Standort: Breite Straße 3-4, 38100 Braunschweig
Bildnachweis: Klemens Ortmeyer, Hannover
