Dachgeschossausbau in Berlin

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Dielen und Travertin in Weiß

Das Dachgeschoss einer Villa aus dem 19. Jahrhundert in Berlin-Lichterfelde sollte als Gästewohnung ausgebaut werden. Zum Bestand gehörte bereits eine Dachterrasse oberhalb des Geschosses, die nun über eine Treppe durch ein automatisches Schiebefenster erreichbar ist. Insgesamt bietet das Geschoss eine Grundfläche von etwa 80 m². Ein neuer Einbau beherbergt verschiedene Funktionen und erlaubt die offene Gestaltung des restlichen Raumes.

Der Einbau ist L-förmig und raumhoch, an der kürzeren Seite liegt die Treppe zur Dachterrasse. Zudem bietet er Platz für Kleiderschrank, Miniküche, Dusche und Toilette. Die äußere Hülle besteht aus gerauchter europäischer Eiche, die Innenwände sind durchgehend magentafarben gestrichen und bestehen aus Gipskartonplatten in den sanitären und MDF-Platten in den übrigen Bereichen.

Alle übrigen Einbauten sind der kobaltblau-grauen Raumfarbe angeglichen und stehen auf weißen Dielen frei im Raum. Hinterleuchtete Schränke im Kniestock verdecken die Sicht auf Heizkörper und Elektroinstallation. Im Bad stehen eine zylinderförmige Sitzwanne und ein ebensolches Waschbecken auf weißem Travertin.

Boden
Für den neuen Dielenboden aus Brandenburgischer Kiefer mit einer Breite von 360 mm, einer Länge von 6000 mm und einer Stärke von 32 mm wurden die alten, sehr dünnen Dielenbretter entfernt. Eine vorhandene Schüttung blieb bestehen. Über einer Filzunterlage sind die Dielen auf neuen Hölzern verschraubt, die zwischen den konstruktiven Balken liegen. Die schwimmende Verlegung gewährleistet ausreichenden Schallschutz. Anschließend wurde die Oberfläche zunächst mit Weißöl und dann mit Holzseife behandelt, wodurch ein weicher, weiß gescheuerter Effekt entsteht.

Den Boden im Bereich des Bades bedecken 402 x 402 mm große Fliesen aus iranischem Travertin in einer Stärke von 12 mm. Travertin ist ein offenporiges Sedimentgestein, leicht zu brechen und zu sägen und von Hohlräumen durchsetzt. Für ein weiches Relief ohne scharfe Kanten wurde er getrommelt und anschließend geschlämmt. So erhält er etwas Patina, ähnlich der Oberfläche eines Flusskiesels.

Die Platten sind mit offenen Fugen auf einer Aluminiumwabenplatte verlegt, um die geringe Aufbauhöhe des Bodens in einer Ebene mit den Dielen zu ermöglichen. Zudem entsteht durch die Verschraubung mit der Wabenplatte eine steife Fläche, die die geräumige Badewanne auch in gefülltem Zustand trägt, ohne zu brechen.

Bautafel

Architekten: Christina Mehlhose +Thomas Reinke, Berlin
Projektbeteiligte: Jockwer + Partner, Berlin (Tragwerksplanung); Instantrott, Berlin (Verlegung Dielen); Braun Fehrentz, Berlin (Travertin); Darius Suplatowicz, Berlin (Verlegung Travertin)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 2007
Standort: Berlin Lichterfelde Ost
Bildnachweis: Angela Kovács, Berlin