Olgahospital und Frauenklinik in Stuttgart

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Linoleum und ableitfähige Vinylbeläge

Um die medizinische Versorgung von Müttern und Kindern an einem gemeinsamem Standort zu ermöglichen, entschied sich das Hochbauamt Stuttgart das Kinderkrankenhaus Olgahospital und die Frauenklinik in einem gemeinsamen Zentrum für Kinder-, Jugend-, und Frauenmedizin unterzubringen. Den Entwurf für den dafür notwendigen Neubau lieferten HPP Architekten aus Düsseldorf, der in Zusammenarbeit mit dem Stuttgarter Büro Sorg und Frosch umgesetzt wurde. 2014 fand die Einweihung des Gesundheitszentrums statt.

Knapp 94.000 m² BGF umfasst die neue Klinik, verteilt auf einen Sockelbau mit drei Ober- und drei Tiefgeschossen sowie sechs miteinander verbundenen drei- bis viergeschossigen Aufbauten, die versetzt zueinander auf der begrünten Sockeldachfläche angeordnet sind. Die Sockelgeschosse beherbergen die funktionalen Bereiche, wie etwa Empfang, Notaufnahme, Untersuchungsräume, Operationssäle, Labors, Physiotherapie, Personal- und Konferenzräume. Die Aufbauten darüber nehmen die Patientenzimmer mit rund 400 Betten auf. In der Fassadengestaltung bilden sich die beiden Nutzungsbereiche deutlich ab: am Sockelbau unterbrechen waagerechte Brüstungsbänder aus Gussgläsern in verschiedenen Grüntönen die transparenten Flächen, während die Bettenhäuser mit ebenfalls horizontal gerichteten weißen Aluminiumpaneelen, Glas und umlaufenden Wartungsbalkonen umhüllt sind.

Zentraler Ausgangspunkt für die Erschließung ist das große Atrium, das über den Haupteingang an der Jägerstraße erreicht wird. Von hier führen die Wege und Flure in die einzelnen Abteilungen, die durch teils bis ins Erdgeschoss hinabreichende Einschnitte und Höfe mit Tageslicht versorgt werden. Die Abteilungen und Lichthöfe unterscheiden sich nicht nur in Größe und Form, sondern auch durch jeweils eigene Farben und Motive. Als Leitsystem dienen sechs Farben und Tierfiguren verschiedener Kontinente, die den unterschiedlichen Stationen und Bettenhäusern zugeordnet sind und sich in der Gestaltung der Wand- und Bodenflächen wiederfinden; entworfen hat sie der Künstler und Trickfilmregisseur Andreas Hykade.

Boden
Als Bodenbelag für die Flure, Aufenthaltsbereiche und Patientenzimmer kommt Linoleum in ganz unterschiedlichen Farben und Arten zum Einsatz: in den Erschließungszonen beispielsweise ein dezenter, beigefarbener Belag mit farbigen Einstreuungen, der das helle, lichte Gestaltungskonzept des Klinikbaus unterstützt. Ein Farbtupfer hingegen ist der königsblaue, marmorierte Linoleum in der großen Eingangshalle, der in und um eine zentrale Spielskulptur verlegt wurde. Er stellt das Wasser dar, auf dem sich das ca. 13 Meter lange und knapp 11 Meter hohe Spielschiff befindet. Die hinauf „an Deck“ führende Rampe ist mit einem hellgrauen, speziellen Akustik-Linoleum mit Schaumrücken ausgestattet, der eine trittschalldämmende Wirkung hat.

In einem der größeren Lichthöfe sorgen Tischkicker für Abwechslung im Klinikalltag, ein grasgrüner Linoleum mit leichten Farbsprengseln bildet das Spielfeld, ein lichtgrauer Linoleum mit monochromer Oberfläche belegt die Hauptfläche. In den Patientenzimmern hingegen kommen eher wohnliche Farbtöne zum Einsatz, z.B. Linoleumbeläge in Dunkelbraun, mit gerichteter Struktur, die an Holztöne erinnert.

Die Operationssäle sind mit ableitfähigen Vinyl-Belägen in warmen Weiß- und Grautönen mit dunklen Einsprengseln ausgestattet, die dafür sorgen, dass hochwertige, sensible elektronische Geräte vor elektrostatischen Entladungen geschützt werden. Außerdem sind sie gegen Säuren und Laugen, auch in höherer Konzentration sehr gut beständig, und fugendicht verschweißbar. Farblich passend sind die Sanitärbereiche und Teeküchen mit einem besonders rutschfesten PVC-Belag ausgestattet, teilweise in einer Akustikvariante.

Bautafel

Architekten: HPP Architekten, Düsseldorf; Sorg und Frosch, Stuttgart
Projektbeteiligte: Arge HPP/SFP mit Ernst² Architekten, Stuttgart / Düsseldorf (Bauleitung); Arge Klinikum Stuttgart (HWP Planungsgesellschaft in Kooperation mit Drees & Sommer), Stuttgart (Projektsteuerung); Boll und Partner, Stuttgart / Leonhard, Andrä und Partner, Berlin (Tragwerksplanung); Luz Landschaftsarchitektur, Stuttgart (Freiraumplanung); Andreas Hykade, Totems, Stuttgart (Gestaltung/Farbleitsystem); DLW Flooring, Bietigheim-Bissingen (Bodenbeläge Linoleum und Vinyl)
Bauherr: Landeshauptstadt Stuttgart, vertreten durch das Hochbauamt Stuttgart
Standort: Stuttgart
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: Wolram Janzer, Stuttgart; Sigurd Steinprinz, Düsseldorf; HPP Architekten, Düsseldorf

Architektenprofil

HPP Architekten
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