Museum Gunzenhauser in Chemnitz

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 |

Grauer Gussasphalt und rotes Linoleum

Als eines der ersten Hochhäuser in Chemnitz wurde 1930 der Hauptsitz einer Sparkasse nach Plänen von Fred Otto errichtet. Staab Architekten aus Berlin wandelten das historische Bankgebäude im Stil der „Neuen Sachlichkeit" 77 Jahre später in ein Ausstellungshaus um. Sie schufen damit Raum für rund 2.500 vorwiegend expressionistische Werke aus der Sammlung des Münchner Kunsthändlers Alfred Gunzenhauser.

Der siebengeschossige Baukörper am Chemnitzer Falkeplatz mit zwei viergeschossigen Flügeln und einem zentralen Innenhof ist klar und funktional gegliedert. Die tragende Struktur bildet ein Stahlbetonskelett, die regelmäßigen Öffnungen innerhalb der Fassade aus beigefarbenem Travertin variieren wenig in Größe und Form. Die Architekten führten die kleinteilige Struktur des früheren Verwaltungsgebäudes auf seine statische Struktur zurück und entfernten nahezu alle Innenwände. Entstanden ist eine weitläufige, offene Museumslandschaft mit geringen baulichen Ergänzungen.

Weithin sichtbar wird die neue Nutzung als Museum durch beleuchtete Vitrinen, die sich aus einigen Fensteröffnungen herausschieben. Zu sehen sind darin großformatige Porträts der Künstler, die bedeutend für die Sammlung sind - beispielsweise Ernst Ludwig Kirchner oder Otto Dix. Die übrigen Fenster blieben originalgetreu erhalten. Das Glasdach über der ehemaligen Kassenhalle im Innenhof wurde wieder hergestellt. Der lichtdurchflutete Raum bildet nun das Zentrum der Wechselausstellung, lässt sich aber auch für Veranstaltungen nutzen. Die Ausstellungsräume gruppieren sich um den darüberliegenden Lichthof. Die Hofwände wurden vollständig freigestellt, also alle angrenzenden Innenwände entfernt. Durch transluzente Verkleidungen der Fenster in Form von innenliegenden Paneelen dringt blendfreies Tageslicht in die Räume.

Neu geschaffen wurden Einbauten im Eingangsbereich für Kasse, Garderobe und eine Cafeteria sowie eine einläufige, kaskadenartige Treppe. Diese dient als zeitgenössisches, verbindendes Element zur Erschließung der oberen Ausstellungsräume.

Boden
Ein fugenloser und durchgängiger Boden für das Haus, dessen Grundriss durch Verwinkelungen und schräge Anschnitte geprägt ist, war den Architekten besonders wichtig. Im Bereich der Ausstellungsflächen ist der Boden durchgehend als Gussasphaltestrich mit Terrazzooberfläche in Anthrazit ausgeführt. Die dunkle Oberfläche mit dem feinen Steinzuschlag hebt sich deutlich von den hellen Wänden und Decken ab.

Wichtiges Element zur Verbindung der offenen Ausstellungsbereiche ist die oben genannte einläufige Treppe, die im Eingangsbereich beginnt und sich bis ins dritte Obergeschoss eines Flügels fortsetzt. Sie ist durch freistehende Wände gefasst und innen durchgehend rot gestaltet: Wände, Decke und Boden haben diese signalhafte Farbe. Dafür wurde im Bereich der Treppenstufen sowie auf einem einleitenden Abschnitt davor rostroter Linoleum verlegt. Er ist besonders für starke Beanspruchungen geeignet und verfügt über eine hohe Rutschfestigkeit. Mit einer Stärke von 2,5 mm ist er auf einer 19 mm starken, wasserfest verleimten Multiplexplatte verklebt. Den Untergrund bildet eine 32 mm starke Gipsfaserplatte mit Aufdoppelung und Nivelliermöglichkeit. Die tragende Konstruktion besteht aus Stahlbeton. Schwarz durchgefärbte Leisten aus Hartholz (Makassar 12 x 12 x 1350 mm) betonen die Vorderkanten der Stufen, seitlich sind sie durch 5 mm starke Anleimer aus Wenge gefasst. Auch im Bereich der Kasse sowie der Verwaltung wurde Linoleum verlegt.

Bautafel

Architekten: Staab Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: DLW Flooring, Bietigheim-Bissingen (Linoleum); Welke e.K., Christinendorf (Gussasphalt-Estrich)
Bauherr: Stiftung Gunzenhauser
Fertigstellung: 2007
Standort: Falkeplatz/Stollberger Str. 2, Chemnitz
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin für DLW Flooring, Bietigheim-Bissingen; Staab Architekten, Berlin

Standort in Google Maps anzeigen