Kinderkulturhaus St. Nicolai in Kolding

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Bodenvielfalt in Höhle, Dschungel und Himmel

Infolge des Deutsch-Dänischen Krieges im Jahr 1864, an dessen Ende die Trennung des Herzogtums Schleswig von der dänischen Krone stand, gewann die Hafenstadt Kolding als wichtiger Verkehrsknotenpunkt stark an Bedeutung. Zahlreiche neue Bewohner benötigten Wohnraum und Schulen für ihre Kinder. In dieser Zeit entstanden u.a. fünf Schulhäuser, gruppiert um einen gemeinsamen Hof. Das erste Gebäude datiert auf 1856, das jüngste wurde 1909 geöffnet. In den letzten Jahren standen jedoch alle Häuser leer, bis die dänische Stadt 2002 einen Wettbewerb ausschrieb, der die Umnutzung des Ensembles zur Aufgabe hatte. Das Architekturbüro Dorte Mandrup Arkitekter in Zusammenarbeit mit den Landschaftsarchitekten Kristine Jensens gingen als Gewinner daraus hervor.

Ihr Entwurfskonzept sah vor, die in Größe und Material sehr unterschiedlichen Gebäude optisch miteinander zu verbinden, den Asphaltbelag des ehemaligen Schulhofs zu erhalten und mit dem Bestand sehr differenziert umzugehen. So wurde in einige Bereiche gar nicht eingegriffen, andere dagegen wurden grundlegend verändert. Als verbindendes Element dient das Material Cortenstahl, das für alle neuen Elemente verwendet wurde. Jedem der fünf Gebäude wurde eine andere Nutzung zugewiesen: eines beherbergt ein Kino mit Café, ein anderes das historische Archiv der Stadt, es gibt ein Kunsthandwerkshaus sowie das Haus der Musik mit Konzerthalle – und es gibt das Kinderkulturhaus St. Nicolai. Alles zusammen trägt den Namen Nicolai Cultural Centre.

Das Kinderkulturhaus ist für Kinder im Alter zwischen zwei und zwölf Jahren konzipiert und steht Kinder- und Schulgruppen, aber auch Einzelpersonen offen. Hier sollen sie zu selbstständigem, kreativem Spiel animiert werden, sich dabei selber aussuchen können was sie machen möchten. Das Motto lautet unaufdringliche Pädagogik. Die Architektur soll diesen pädagogischen Ansatz unterstützen. Dorte Mandrup Architekten gestalteten das vorhandene Backsteingebäude so transparent und offen wie möglich und gingen gleichzeitig sehr behutsam mit dem Bestand um. Nur zwei Zimmerdecken mussten entfernt werden. Dafür entstanden neue Öffnungen, die Licht ins Haus bringen sowie neue Ein- und Ausblicke schaffen.

Innen ist das Gebäude in drei Bereiche unterteilt: Höhle, Dschungel und Himmel lauten die Themen, nach denen sie gestaltet sind. Alle zwei Jahre sollen diese wechseln. Die Erschließungsbereiche, also der Eingang und das Treppenhaus, sind keinem Thema zugeordnet, beide sind in leuchtendes Rot getaucht. Links vom Eingang befindet sich die Theaterhöhle mit Bühnen- und Zuschauerbereich, die sich mit ihren Sitzstufen aus Sperrholz bis ins Untergeschoss erstreckt. Hier sind außerdem ein Umkleideraum und die Toiletten angeordnet. Im Erdgeschoss gegenüber der Höhle befindet sich der Dschungel, der zur Hälfte über zwei Geschosse reicht. Hier laden Lianen zum Klettern ein.

Das Obergeschoss beherbergt den als Himmel bezeichneten Werkraum, wo gebastelt und gemalt werden kann. Sein Name bezieht sich auf ein mittig in die Decke eingelassenes großes Fenster mit bläulicher Verglasung, das etwa einen halben Meter von oben in den Raum ragt. Dieses Oberlicht, Wolke genannt, dient weniger der Belichtung, sondern als weiterer Spielraum, denn es kann vom darüberliegenden Dachgeschoss betreten bzw. bespielt werden. Wie in ein Glasbassin können die Kinder hineinsteigen und durch den Glasboden verfolgen, was im Werkraum unter ihnen gerade geschieht. Im Dachgeschoss sind außerdem zwei weitere Mehrzweckräume vorhanden. Große Dachflächenfenster sorgen für viel Licht.

Boden
Außer den vorhandenen Granitstufen im Treppenhaus wurden sämtliche Böden für das Kinderkulturhaus neu gestaltet. Angepasst an die jeweilige Nutzung der Räume wählten die Architekten fünf verschiedene Bodenbeläge. Aus Epoxidharz besteht der rote Fußboden im Eingangsbereich; im angrenzenden Dschungel wurde ein grüner Kautschukbodenbelag mit Polyurethanoberfläche verlegt. Kautschukböden sind strapazierfähig und schwer entflammbar, der Oberflächenschutz aus Polyurethan verstärkt diese Eigenschaften und erleichtert gleichzeitig Reinigung und Pflege.

In der Theaterhöhle wurde Sperrholz als Material für den Bühnenboden und die Sitzstufen des Zuschauerbereiches verwendet. Dunkelbraun gestrichen und teilweise auch als Wandverkleidung zum Einsatz gebracht, unterstützt es den introvertierten Charakter des Raumes. Im Werkraum und den Mehrzweckräumen liegen massive Holzdielen aus Buche auf dem Boden. Sie sind langlebig und recht pflegeleicht, allerdings empfindlicher gegenüber mechanischer Beanspruchung als beispielsweise der Kautschukboden im Erdgeschoss. Dafür hat das natürliche Material eine angenehm warme Wirkung, welche die Kleinen einlädt, barfuß auf ihm zu toben.

Bautafel

Architekten: Dorte Mandrup Arkitekter, Kopenhagen
Projektbeteiligte: Arkitekt Kristine Jensens Tegnestue, Århus (Landschaftsarchitekten); EKJ Rådgivende Ingeniorer (Tragwerksplaner); Jorton, Århus (Bauunternehmer)
Bauherr: Gemeinde Kolding
Fertigstellung: 2008
Standort: Skolegade 2, 6000 Kolding, Dänemark
Bildnachweis: Adam Mørk und Jakob Galtt, beide Kopenhagen

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