Indoor-Minigolfanlage in Berlin

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Schwarzlichtkunst auf Decke, Wand und Boden

Etwas ganz Besonderes erwartet die Besucher im Café Isa Mitz in Berlin Kreuzberg. Nach Kaffee und Kuchen können sie sich in den Keller begeben und dort eine Partie Minigolf spielen. Ist das schon recht ungewöhnlich, so ist die Gestaltung der Indoor-Minigolfanlage ein echtes Erlebnis: Von Wänden, Decken und Böden strahlen fluoreszierende Neonfarben und erschaffen eine leuchtende Fantasiewelt.

Ermöglicht wird dies durch den Einsatz von Schwarzlicht, das aufgrund der kurzen Wellenlängen für den Menschen nicht sichtbar ist. Erst fluoreszierende und phosphoreszierende Gegenstände reflektieren das Licht und beginnen zu leuchten – allerdings nur im Dunkeln. Diese Eigenschaft hat schon viele Künstler inspiriert und seit Mitte der 1960er Jahre eine eigene Kunstform entstehen lassen. In ihr treffen unterschiedliche Stile und Ausdrucksformen aufeinander, werden kombiniert und vermischt. Bei der Minigolfanlage vereint Sinneswandeln, eine Gruppe von circa 25 Schwarzlicht- und Lichtkünstlern, sowohl Malerei, Graffiti, Airbrush als auch dreidimensionale Objekte mit der sportlichen Nutzung.

Café und Minigolfanlage befinden sich in einer ehemaligen Lagerhalle des alten Görlitzer Bahnhofs. Es ist eines von drei Gebäuden und alles, was von dem Bahnhof noch steht. Über eine Treppe vom Café gelangen die Besucher in den Keller, den die Künstler von ursprünglich einem großen Raum in fünf kleinere aufteilten. Die Bewegung durch diese fünf Räume soll eine Reise durch Zeit und Raum darstellen – so das Konzept der Künstlergruppe. Jeder Raum ist einem anderem Thema gewidmet und unterschiedlich gestaltet. Vom Eingangsbereich, der Quelle, gelangen die Minigolfspieler durch die Berliner Mauer in den Berlin-Raum; weiter geht es zum UFO-Raum und dann in den Weltraum. Im letzten Raum tummeln sich Delfine, Seehunde, Frösche etc. in abstrakten Landschaften. Von dort geht es zurück zum Eingangsbereich, der über die Treppe wieder ins wirkliche Leben führt.

Die 18 Minigolfbahnen bestehen aus Holz und Teppich. Sie wurden hauptsächlich aus herkömmlichen Hürden zusammengesetzt und mit fluoreszierender Farbe bemalt, einige haben die Künstler auch selbst entworfen und gebaut. Die Bahnen wurden so in die Räume integriert, wie es deren Größe und Gestaltung zuließ und entsprechen daher nicht der standardisierten Länge von 6,25 m. Bei den verwendeten Leuchtmitteln, die an den Decken befestigt sind, handelt es sich um herkömmliche 124 cm lange Schwarzlichtröhren. Denn diese haben einen großen Abstrahlwinkel und streuen damit, laut Sinneswandeln, das Licht am Besten.

Boden
Sämtliche Oberflächen der Minigolfanlage sind Bestandteil des künstlerischen Gesamtkonzeptes. In einem nahtlosen Übergang reichen die gestalterischen Elemente von den Wänden über die Bahnen und überziehen auch den Boden. Dieser besteht aus Beton, der zum Ausgleich von Unebenheiten mit einer Nivelliermasse versehen wurde. Nur so konnte eine ausreichend ebene Fläche erreicht werden, die für die Installation einer Minigolfbahn unerlässlich ist. Im Anschluss wurde der Boden zunächst schwarz gestrichen, bevor er von den Künstlern mit fluoreszierenden Farben gestaltet wurde.

Entstanden ist ein leuchtendes Gesamtkunstwerk aus Wandmalerei und dreidimensionalen Objekten, das den sonst eher spießigen Minigolfsport, im wahrsten Sinne des Wortes, in einem anderen Licht erscheinen lässt. -eh

Bautafel

Architektin: Frauke Neumeyer, Berlin
Künstlerische Gestaltung:
Sinneswandeln, Berlin
Projektbeteiligte: Ellen Harting „Sundew“, Berlin (Installationen); Tobe Klabisch „Flasch To Be“, Berlin (Illusionsdesign); Maximilian Hellweger, München (Malerei, Airbrush); „Rogg“, Berlin (Schwarzlicht-Skulpturen), Micha Krebs „Colory“, Berlin (Malerei); Christian Wahle „Lake“, Berlin (Graffiti, Street Art); Andreas Schmitz, Berlin (Konstruktion der Minigolf-Bahnen); Theaterbedarf Haussmann, Siek (Acrylfarben)
Bauherr: Andreas Schmitz und Michael Scheffner-Belz, Berlin
Fertigstellung: 2010
Standort: Görlitzer Straße 1, 10997 Berlin
Bildnachweis: Jörn Schulz, Berlin; Robert Ahnfeld, Berlin

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