Wohn- und Geschäftshaus in Hohenlinden
Große Spannweiten
Grundlage der Planung für ein Wohn- und Geschäftshaus im bayerischen Hohenlinden war der Wunsch der Gemeinde, den örtlichen Supermarkt mit einer Wohnnutzung zu kombinieren. Der dreigeschossige Neubau bietet im Erdgeschoss Gewerbeflächen und in den Obergeschossen 22 Wohnungen sowie zwei Büros. Die Wohnungen nutzen die Supermarktdecken als große Terrassen, die bekiest und extensiv begrünt wurden.
Die Laubengänge für die Erschließung der Büros wurden einen Meter vom Gebäude abgerückt, um die Privatheit der Wohnungen zu gewährleisten und die Lichtausbeute zur Erhöhung der Lichtausbeute. So konnten statt der üblichen kleinen Oberlichter zum Laubengang vollwertige Fenster eingesetzt werden. Vor die Wohnungseingangstüren wurden Lamellenvorhänge gesetzt, die Parkplatz und Straße abschirmen und den Baukörper rhythmisieren.
Beton
Die Erstellung des Rohbaus in Fertigteilen sowie der Ausbau in Trockenbauweise ermöglichten eine kurze Bauzeit. Die großen Hallen der Gewerbeflächen im Erdgeschoss erhielten lediglich eine Stützenreihe. Zur Überbrückung der großen Spannweite wurden Überzüge eingesetzt, die die Terrassenflächen unterteilen. Die Obergeschosse wurden in Schottenbauweise ausgeführt.
Im Erdgeschoss war durch die Aufteilung der Mietflächen für zwei Märkte eine technische Lösung gefordert, die jeweils mit nur einer Mittelstützenreihe je Markt auskommt und die vorgegebenen Bauhöhen bzw. Querschnitte der Decken nicht verändert. Außerdem sollte die Geometrie der darüber liegenden Wohnungen nicht einschränkt werden. Dies wurde mit einer Konstruktion aus massiven Betonfertigteilwandträgern gelöst, die jeweils quer zur Längsseite der Märkte im Abstand der OG Wohnungstrennwände angeordnet wurden. Die Träger mit den Abmessungen L/B/H = 13/3/0,45 m haben ebenfalls ein Gewicht von bis zu 20 Tonnen. Für die Fassaden im Erdgeschoss wurden Sichtbeton-Sandwichelemente bis 4,4 Meter Höhe und mit bis zu 20 Tonnen Einzelgewicht hergestellt. Die Oberflächen wurden in der Qualität der Schalseiten außen in Sichtbetonklasse 3 und der Einfüllseiten innen in Sichtbetonklasse 2 ausgeführt. Zudem wurden die Oberseiten außen scharfkantig ausgebildet. Die Fassade der Obergeschosse wurde als hinterlüftete Faserzementfassade ausgeführt.
Das „Abrücken“ der Laubengänge stellte eine besondere Herausforderung dar, da dies stützenfrei zu erfolgen hatte. Aus diesem Grund wurden größtmögliche Löcher aus den Flächen ausgestanzt, so dass von den Anbindungsflächen zu den Decken nur „Kurzstücke“ zur Befestigung übrig blieben. Eine Sonderkonstruktion für Isokörbe der Firma Halfen war die technische Lösung, verbunden mit einer Ausführung der Ansichtsflächen in Sichtbetonklasse 3.
Bautafel
Architekten: stark Architekten, München
Projektbeteiligte: C-I-P Ingenieure, München (Tragwerksplanung Lph 1 - 4); Hemmerlein Ingenierbau (Tragwerksplanung Lph 5, Herstellung und Montage der Fertigteile)
Bauherr: Christian Eicher Grundstücksverwaltung, Hohenlinden
Fertigstellung: Oktober 2006
Standort: Hohenlinden
Bildnachweis: Marc Winkel Photographie, Berlin
Zum Thema
- Sandwichelemente und -fassaden
