Phaeno Science Center in Wolfsburg

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Selbstverdichtete Betonlandschaft

Am Kopf der Wolfsburger Fußgängerzone und direkt gegenüber der Autostadt liegt das Wissenschaftszentrum „Phaeno“. Der Entwurf von Zaha Hadid ging im Januar 2000 aus einem internationalen Wettbewerb als 1. Preis hervor. Realisiert wurde er in Zusammenarbeit von Hadid und dem Lörracher Büro Mayer Bährle.

Mit dem avantgardistischen Neubau soll eine neue Methode der Wissenschaftsvermittlung transportiert werden. Dem Besucher wird auf 5.000 m² Ausstellungsfläche kompliziert Wissenschaftliches in experimenteller Form an so genannten „Erfahrungsstationen“ vermittelt. Diese Vermittlung wird in dem Neubau mittels einer räumlichen Umstülpung von innen nach außen künstlerisch dargestellt.

Das polymorphe Gebäude schwebt, aufgeständert auf den für Hadid so typischen Raumstützen, über einer Raumskulptur, mit der die City, die VW-Autostadt und der Bahnhof miteinander verbunden werden. Die kegelförmigen Raumstützen und Tragelemente enthalten gleichzeitig allgemeine Funktionen wie Eingänge, einen Shop, Gastronomie, einen Versammlungsraum und Werkstätten.

Die Raum generierende Idee des Baus ist einfach: zwei kongruente, parallele Dreiecken bilden die Geschossdecken. Diese werden digital verflüssigt von zehn Fingern von oben nach untern durchstoßen. So entstehen die „Cones” – hohe Raumstützen, die zum einen das aufgeständerte Bauwerk tragen, zum anderen Teile des Raumprogramms aufnehmen. Es ergibt sich ein fließendes Raumkontinuum unter dem an den Grundstücksecken scharfkantig abgeschnittenen Baukörper.
Der Neubau hat einschließlich Ausstattung 79 Millionen Euro gekostet.

Beton
Die Betonlandschaft wird von zwei verschieden Oberflächen geprägt: Die mehrfach gekrümmten Flächen der Cones werden mit einer gehobelten Brettschalung mit vorgegeben Stoß- und Nagelbild angenähert. Die Schalungen wurden durch Bestreichen mit einer Zementmilch und anschließendem Abbürsten künstlich gealtert. In 6,50 m Höhe binden die Cones in die Betondecke ein, die mittels Schaltafeln als Kassettendecke hergestellt wurde. Allerdings sind die Kassetten hier, Hadids Formenkanon entsprechend, zu Rauten verzogen. Tatsächlich sichtbar ist nur ein Teil der Kassetten, ein Großteil verbirgt sich - ausgefüllt mit verlorenen Leerkörpern aus Styropor - hinter der dünnen Betonuntersicht der Decke.

Zum Einsatz kam ein selbstverdichtender Beton (SVB) für den eine Zulassung im Einzelfall erforderlich war. Das in den schmalen und gekrümmten Schalungen nahezu unmögliche Rütteln des Betons konnte somit entfallen.

In der Südfassade kommen auch Betonfertigteile zum Einsatz. Hadid ironisiert den Konstruktionswechsel, in dem sie die Fugen der Fertigteilfassade ins Schalungsbild der Ortbetonwand übernimmt.

Bautafel

Architekt: Zaha Hadid, London; mit Mayer & Bährle, Lörrach
Projektbeteiligte: Adam Kara Taylor, London (Tragwerksplanung); Heitkamp, Glinde (Rohbau und Betontechnik); Doka NL Hannover und Hamburg (Schalungstechnik)
Bauherr: Stadt Wolfsburg, vertreten durch Neuland Wohnungsbaugesellschaft
Fertigstellung: 2005
Standort: Willy-Brandt-Platz 1, Wolfsburg
Bildnachweis: Klemens Ortmeyer, Braunschweig

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