Haus 47°40´48´´N / 13°8´12´´E in Adnet/A
Schwebende Sichtbetonplatten
Das Einfamilienhaus mit der Bezeichnung 47°40'48''N / 13°8'12''E befindet sich auf einem Wiesengrundstück im Salzburger Tennengau nahe eines Autobahnknotens. Die Verkehrsanbindung war den Bauherren Friedrich Ebner und Heike Kröpelin besonders wichtig, da das Haus sehr abgelegen liegt. Das nahmen die Architekten zum Anlass, das Thema Mobilität und Landschaft, Auto und Ankommen, Wohnen und Landschaft zum Thema ihres Entwurfs zum machen. So verweist die Bezeichnung des Hauses auf einen bestimmten, aber auch beliebigen Bauplatz im Land.
Das ebenerdige langgestreckte Gebäude hat unmittelbaren Kontakt zur leicht abfallenden Wiese. Es hebt sich bewusst von den umliegenden Gehöften, Waldkanten und Gebirgen ab und demonstriert die Unabhängigkeit vom Ort. Zwei formgleiche übereinanderliegende Stahlbetonplatten prägen das Haus. Die großen Auskragungen, insbesondere die Decke über der Wohnebene betragen bis zu 8 m. Aufgrund der Hanglage löst sich die Bodenplatte allmählich vom Grund und schwebt auf der Nordwestseite auf einer Länge von 8 m über dem Boden. Der flächig sich ausdehnende stützenfreie Innenraum öffnet sich mit einer komplett verglasten Front zur umliegenden Landschaft. Ein raumhoher, schwarzer Außenvorhang reguliert die Ein- und Aussicht auf drei Seiten des Gebäudes. Die Durchlässigkeit des Stoffes schafft unterschiedliche Lichtverhältnisse zu den verschiedenen Tages- und Jahreszeiten. Die Offenheit und Durchlässigkeit der fließenden Raumfolge wird zusätzlich durch einen schwarzen geschliffenen Gussasphalt mit Diabas Zuschlag (einer Basaltart) und reduzierte schlichte Einrichtungsgegenstände unterstützt.
Das Wohnen ist ringförmig nach Innen organisiert. Neun identische geometrische Hohlkörper mit den Abmessungen 2,40 x 2,40 m gliedern den Raum zwischen der Garage mit vier Stellplätzen und dem Wohnbereich. Sie sind mit schwarzweißen grafischen Motiven von Nadelwäldern bedruckt. In die Hohlkörper sind die notwendigen Stahlstützen integriert, die die hellgraue Sichtbetondecke tragen. Außerdem befinden sich in den teilweise von oben erhellten Räumen private Bereiche wie Bäder, Ankleiden oder Stauräume.
Beton
Aufgrund der auskragenden Dachkonstruktion und der Untersicht in Sichtbeton musste das Tragwerkskonzept auf Durchbiegungen und Kriechverformungen eingehen. Daher kam es zu der ungewöhnlichen Lösung in Form einer auf den Kopf gedrehten Verbunddecke. Ein Stahlträgerrost mit Trägerhöhen von 500 mm liegt dabei auf einer Druckplatte aus Stahlbeton mit 16 cm Stärke, die Verbindung bewerkstelligen Kopfbolzendübel. Der Trägerrost selber ruht auf einigen wenigen Stahlstützen in den Ecken der vier "Kerne" der Wohnebene bzw. entlang der Fassade.
Bautafel
Architekten: Maria Flöckner und Hermann Schnöll, Salzburg
Projektbeteiligte: GBD ZT GmbH, Dornbirn (Statik); Kuster und Kuster, Salzburg (Haustechnik); Oberhofe, Saalfelden (Stahlbau); Peintner, Farchant (Glaswände); Scharler, Bischofshofen (Betonbau)
Bauherr: Friedrich Ebner Stiftung, Adnet
Fertigstellung: 2006
Standort: Riedl 79, Adnet, Österreich
Bildnachweis: Stefan Zenzmaier, Kuchl/A
Zum Thema
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