Hauptverwaltung Norddeutsche Landesbank, Hannover

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Große Auskragungen und Betonkernaktivierung

Der transparente Bürokomplex der Norddeutschen Landesbank Girozentrale in Hannover am Aegidientorplatz besteht aus einer siebengeschossigen Blockrandbebauung und einem siebzehngeschossigen Hochhaus. Umschlossen von Friedrichwall, Willy-Brandstraße und Maschstraße liegt die neue Hauptverwaltung gegenüber dem alten Rathaus, das mit seiner hohen Kuppel, im Hinblick auf die Fernwirkung, Pate gestanden haben muss.

In der südöstlichen Ecke des ca. 14.000 m² großen Grundstücks ist das Gebäude zu Gunsten eines ehemaligen Umspannwerks ausgespart. Das Blockinnere ist weitgehend Passanten und Besuchern zugänglich gemacht und kann fußläufig durchquert werden. Die Ecken am Friedrichwall sind über zwei Geschosse geöffnet. Hier bleiben nur die schlanken Stützen aus dem Konstruktionsraster, der darüber liegenden Büros stehen. Im Innenhof befindet sich der zentrale Eingangsbereich – weit entfernt vom lauten Straßenlärm – der von einem auffälligen schrägen Glasdach über mehrere Geschosse überdacht wird. Unter diesem schrägen Dach liegen die „Verteilerplattform und weitere Erschließungsebenen. Die übrigen Flächen des Innenhofs werden von einem Wasserbassin ausgefüllt.

Auffälligstes Bauteil des gesamten Ensembles ist der spielerisch zusammengefügte Büroturm. Zurückspringende, auskragende und zueinander verdrehte Geschosse prägen die Erscheinung der verglasten Konstruktion des unterzugslosen Skelettbaus. Im 89 Meter hohen Turm befinden sich nicht nur die Chefetagen sondern auch Salons, ein Casino und Sky-Empfangssäle für die „Spezial-Events“.

Beton
Die Gestalt des Turmes wird von seinen vielfachen Auskragungen bestimmt, die durch eine schlanke Betonkonstruktion ermöglicht werden. Eine Betonkernaktivierung in den Decken der Blockrandbebauung sorgt für eine erhöhte Speicherkapazität und damit zusätzlich für eine Kühlung der Büros im Sommer und in den Übergangszeiten. Aus statischen Gründen musste im Hochhaus auf eine Bauteilkühlung verzichtet werden. Das Kaltwasser wird über Erdwärmetauscher in den Gründungspfählen und unterhalb der Tiefgaragensohle erzeugt.

Die Betonkernaktivierung oder auch Betonkerntemperierung wird als innovative und kostengünstige Methode zum Kühlen und Erwärmen von Gebäuden immer interessanter. Sie nutzt die Fähigkeit der Decken und Wände im Gebäude, thermische Energie zu speichern und damit Räume zu heizen oder zu kühlen.

Bautafel

Architekten: Behnisch, Behnisch & Partner, Stuttgart
Projektbeteiligte: Arge Wetzel + von Seht, Hamburg; Pfefferkorn + Partner, Stuttgart (Tragwerkplanung); Horstmann und Berger, Altensteig (Bauphysik); Nileg, Hannover (Projektsteuerung)
Bauherr: Norddeutsche Landesbank, Hannover
Fertigstellung: Juni 2002
Standort: Friedrichswall 10 , Hannover
Bildnachweis: Wicona Bausysteme, Ulm

Architektenprofil

Behnisch Architekten
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