Weinberghaus bei Wörrstadt

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 |

Fertigteile aus nur 3 cm starkem Hochleistungsbeton

Wie in fast allen Gemeinden des rheinlandpfälzischen Landkreises Alzey-Worms hat der Weinbau auch in Wörrstadt eine besondere Bedeutung und eine lange Tradition. Dies zeigt sich an den zahlreichen Weingütern ebenso wie an den Weinberghäusern. Bei ihnen handelt es sich um kleine Wirtschaftsgebäude in einem Weinberg, die der Aufbewahrung von Werkzeugen und als Unterstellort bei schlechtem Wetter dienen.

Ihre Konstruktion, die regional etwas variiert, lässt sich in die bekannten stilgeschichtlichen Bautypen nicht einordnen. Der Baustil ist insgesamt schlicht, einfach und aus einem Material bestehend. In einem Entwurfsseminar an der Technischen Universität Kaiserslautern hatten die Studenten die Aufgabe, diesen Bautyp in eine zeitgemäße Konstruktion und Form zu übertragen, ohne in weinselige Klischees zu verfallen. Da schon zu Beginn feststand, die überzeugendste Arbeit mit Betonfertigteilen zu realisieren, stand die materielle Fügung von Boden, Wand und Dach im Zentrum der studentischen Überlegungen.

Unter architektonischen und konstruktiven Gesichtspunkten wurde schließlich der Entwurf von Christoph Perka ausgewählt und umgesetzt. Sein Weinberghaus besitzt einen parallelogrammförmigen Grundriss und ein Steildach, das übergangslos von der Wand in die Schräge geht. Das auffälligste an dem Gebäude ist seine Einfachheit und die einprägsame Geometrie.

Beton
Vor der Umsetzung wurden in Studien und Vormodellen unterschiedliche Fügungsmöglichkeiten für die Betonfertigteile untersucht. Gesucht war eine Grundgeometrie, die möglichst alle Fügungsvarianten erlaubt. Versuchsreihen mit Probestücken gaben Aufschluss über Materialtauglichkeit, statische Beanspruchung und Stabilität.

Schließlich wurden sieben Fertigteile hergestellt und mit geklebten Steckverbindungen zusammengefügt. Für die Fertigteile kam die sogenannte Ducon-Technologie mit einem hochfesten, selbstverdichtenden, mikrobewehrten Beton mit einem Größtkorn von 2 mm, einer Druckfestigkeit von > 130 N/mm² und einer Biegezugfestigkeit von > 25 N/mm² zum Einsatz. Die Mikrobewehrung besteht aus mehreren Lagen räumlich verknüpfter Stahldrahtmatten mit kleinen Maschenweiten. Der Drahtdurchmesser beträgt 1 mm, seine Zugfestigkeit 450 N/mm². Neben der hohen Festigkeit besitzt der Feinkornbeton auch eine große Dichtigkeit, so dass auf eine zusätzliche Dachabdichtung verzichtet werden konnte.

Der verwendete Mörtel basiert ebenfalls auf dem ultrahochfesten Beton. Sein Größtkorn beträgt 0,2 mm, die Druckfestigkeit ca. 130 N/mm² und die Biegezugfestigkeit ca. 18 N/mm². Das Ergebnis ist ein extrem filigranes Gebäude, dessen Dach, Boden und Wände aus gerade einmal 3 cm dicken Fertigteilen bestehen.

Bautafel

Architektur: Bernd Meyerspeer und Dirk Bayer vom Fachbereich Architektur in Kooperation mit Jürgen Schnell und Christian Kohlmeyer vom Fachbereich Bauingenieurwesen der TU Kaiserslautern
Entwurf: Christoph Perka, Kaiserslautern
Projektbeteiligte: IG Bauplan, Kaiserslautern (Statische Berechnung); Ducon Europe, Mörfelden-Walldorf (Beton)
Bauherr: TU Kaiserslautern
Standort: Weinberg bei Wörrstadt
Baujahr: 2011
Bildnachweis: Sven Paustian, Pirmasens für TU Kaiserslautern

Standort in Google Maps anzeigen