Feuer- und Rettungswache in Dresden

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Außen rot, innen feinster Sichtbeton

Brachflächen und Gleisanlagen, gesichtslose Büro- und Gewerbebauten sowie ein zwölfgeschossiges Hotel prägen die Gegend rund um die Franklinstraße in der Dresdener Südvorstadt. In diesem heterogenen Umfeld sticht ein Gebäude hervor, dessen Nutzung jedes Kind sofort erkennt: mit seinen gläsernen Rolltoren, dem Schlauchturm und seiner, wenn auch nicht feuerwehrroten Fassade ist klar, dass es sich um ein Feuerwehrhaus handelt. Geplant wurde es von den Leipziger Architekten Schulz und Schulz, Nutzer ist die 5. Wache der Dresdener Berufsfeuerwehr.

Ein wichtiges Anliegen der Architekten war es, einen markanten Baukörper mit hohem Wiedererkennungswert zu schaffen. Klar gegliedert, erstreckt sich der 150 Meter lange Neubau entlang der Strehlener Straße, sein identifikationsstiftender Turm mit 40 Meter hohem Sendemast bildet den nordöstlichen Gebäudeabschluss an der Franklinstraße zu den Gleisen hin. Insgesamt besitzt er eine Nutzfläche von 3.795 Quadratmetern, die sich auf zwei Geschosse verteilen. Als kombinierte Feuer- und Rettungswache konzipiert, beherbergt das Gebäude eine Wache mit Fahrzeughalle, Funktions- und Sozialräumen, die Rettungswache mit Platz für Notarztfahrzeuge, ein Führungs- und Lagezentrum mit Nachrichtenzentrale, die Regionalleitstelle sowie eine Sporthalle und ein öffentliches Brandschutzerziehungszentrum. Über den Haupteingang lassen sich sämtliche Funktionsbereiche unabhängig voneinander erschließen, bei Bedarf können sie auch zusammengeschlossen werden.

Im Geschoss über den sechs Meter hohen Fahrzeughallen sind die Ruhe- und Aufenthaltsräume mit Küche und Kantine untergebracht. Eine Dachterrasse schließt an einen langen Erschließungsgang an, der über ein durchlaufendes Oberlicht belichtet wird. Treppenhäuser in den Hallen sowie zusätzliche Sprungschächte ermöglichen kurze Erschließungswege – ein wesentlicher Aspekt in einem Feuerwehrhaus. In Gebäudelängsrichtung entlang der Strehlener Straße bildet die Sporthalle den südöstlichen Abschluss des Gebäudes.

Mit ihren vertikalen und lang gestreckten horizontalen Gebäudeteilen und den klar abgesetzten, filigranen Bauelementen, wie den durchlaufenden weißen Vordächern über den schmalen Fensterbändern, erinnert die neue Feuerwache an elegante Bauten aus den 1920er Jahren.

Beton
Da der Baugrund aufgrund von Auffüllungen nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu einer Tiefe von 3,00 m nicht tragfähig war, entschieden sich die Planer für eine Gründung auf 150 Bohrpfählen mit Pfahldurchmessern von 70 und 90 cm. Darauf sind die Fundamentbalken mit Köchereinsätzen und die darüber liegender Bodenplatte aus Ortbeton gesetzt. Der weitere Aufbau erfolgte als fugenlose Stahlbetonkonstruktion ohne Unterkellerung. Um Kosten und Bauzeit zu sparen, wurden Bauteile wie Stützen und Binder als Fertigteile hergestellt, Filigran-Elementdecken als Halbfertigteile mit Ortbetonergänzung. Auch sämtliche Wände wurden entweder als Halb- oder als Komplettfertigteile hergestellt; im Fall der Halbfertigteilelemente mit Ortbeton auf der Baustelle vergossen.

Frei stehende Stützen sind mittels Ortbetonkonsolen statisch mit den Unterzügen und der Geschossdecke verbunden. Die horizontale Gebäudestabilisierung erfolgt über die Stahlbetondeckenscheiben, die vertikale Stabilisierung übernehmen wenige, über alle Geschosse durchgehende Stahlbetonwandscheiben sowie die Stahlbetonkerne. Die Abmessungen der halb- und vollständig in Ortbeton vorgefertigten Elemente orientieren sich am Gebäuderaster. Das beträgt in Längsrichtung 1,125 m bei einem Stützraster von 4,50 m, in Gebäudequerrichtung beträgt es 1,15 m bei einem Stützraster von 4,60 m. Das Raster ist den Wand- und Deckenansichten im Inneren des Gebäudes ablesbar. Ein separat erstellter Fugenplan ist dafür verantwortlich, dass die verschiedenen Rasterabschnitte, die Anschlüsse der Halb- und Fertigteile sowie die zu berücksichtigenden Wandschlitze, Eck- und Längsverbindungen ein sauberes Gesamtbild ergeben.

Die Betonqualität in den Haupttreppenaufgängen, an den dortigen Brüstungen und Stützen, in den Fluren und Teeküchen sowie im Vordach- und Balkonbereich entspricht der Sichtbetonklasse 2, in den Fahrzeughallen, in der Wasch- und Sporthalle der Sichtbetonklasse 1.

Bautafel

Architekten: Schulz & Schulz Architekten, Leipzig
Projektbeteiligte: Leonhardt, Andrä und Partner, Dresden (Tragwerksplanung); Klett-Ingenieur-Gesellschaft, Meißen (Technische Gebäudeausrichtung); Müller BBM, Dresden (Thermische Bauphysik und Raumakustik); Rehwaldt Landschaftsarchitekten, Dresden (Landschaftsbau)
Bauherr: Landeshauptstadt Dreden, vertreten durch das Brand- und Katastrophenschutzamt
Standort: Strehlener Straße 23, 01067 Dresden
Fertigstellung: 2012
Bildnachweis: Stefan Müller, Berlin

Architektenprofil

Schulz und Schulz
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