Villa in Vals/CH

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Erdhaus mit leichtgängigen Schiebetüren

Was passiert, wenn ein Architekt aus den flachen Niederlanden in Vals, einem kleinen Ort mitten in den Schweizer Alpen ein Ferienhaus bauen soll? Dazu noch in so berühmter Nachbarschaft – mit Blick auf die Felsentherme von Peter Zumthor? Er nimmt die Herausforderung mit erhobenem Haupt an und macht etwas, mit dem niemand rechnet. Er vergräbt sein Haus, gräbt es tief in den Hang hinein – so tief, dass es ohne ein Dach auskommt.

Der Architekt Bjarne Mastenbroek vom Studio SeArch hat zusammen mit dem Schweizer Baumeister Christian Müller ein zweites Architekturhighlight entworfen. Obwohl die Villa Vals so elegant in der Bergkulisse verschwindet, hat das Erdhaus – wie der eigenwillige Bau von den Dorfbewohnern in Graubünden genannt wird – für reichlich Aufmerksamkeit gesorgt. Und nur durch sein Verschwinden konnte er genehmigt werden: „Das Platzieren des Eingangs hinter einer alten Graubündner Scheune und der unterirdische Tunnel hat die Behörden überzeugt, dass dieses Konzept direkt neben der weltberühmten Therme – obwohl es ihnen etwas absurd erschien – genehmigt werden könne“, schreiben die Architekten. Auch die lokalen Bauvorschriften zur Erhaltung des Dorfbildes, die ein Steinschindeldach sowie eine Holzfassade vorschreiben, konnten die Architekten durch ihr Erdhaus geschickt umgehen.

In seinem Inneren verbergen sich auf zwei Etagen und einer Fläche von 160 m² vier Schlafzimmer, ausgestattet mit Doppelbetten und Schlafkojen, zwei Bäder und ein großzügiger Wohnraum mit offener Küche. Die Wohnräume sind um einen aus dem Hang herausgeschnittenen, kreisförmigen Hof angeordnet. Dessen schräge Seitenwände fokussieren den ohnehin großartigen Blick auf die Berge der gegenüberliegenden Talseite, der sich den Bewohnern von hier bietet. Eingebettet in die links und rechts abfallenden Hänge, bietet die 60 m² große Terrasse Geborgenheit, Wind- und Sichtschutz. Großzügige Verglasungen ermöglichen auch von innen den Ausblick auf das Bergpanorama und sorgen für ausreichend Tageslicht in den Räumen. Gleichzeitig unterstreichen unterschiedliche Raumhöhen den Höhlencharakter im Erdhaus. Der Zugang erfolgt perfekt getarnt erst durch eine alte Scheune und dann durch einen 16 m langen, unterirdischen Tunnel.

Bjarne Mastenbroek und Christian Müller inszenieren das höhlenartige Gebäude als Schnittstelle zwischen Architektur und Landschaft. Als Materialien wählten sie Sicht- und Gussbeton sowie Holz und Naturstein. Seit September 2009 ist die Villa Vals als Ferienhaus zu mieten.

Beschläge

Wohnraum, Essküche, Bibliothek und Schlafraum im Erdgeschoss werden durch Schiebetüren aus Holz räumlich verbunden respektive getrennt. Die Architekten wählten ein Beschlagsystem mit minimaler Einbauhöhe, die daraus resultiert, dass die Aufhängung der Tür im Tragprofil integriert ist. Es bewegt mühelos Schiebetüren mit einem Gewicht bis 120 kg.

Im Wohnzimmer neben der Natursteintreppe, die in die oberen Geschosse führt, findet ein Einbaumöbel aus schwarz lackiertem MDF seinen Platz. Ebenso wie die Raumtüren, ist es mit leichtgängig zu bedienenden Schiebetüren ausgestattet, auch hier sind die Beschläge fast nicht sichtbar, da Lauf- und Führungsschienen eingeleimt wurden. Die Schiebetüren können in der Höhe reguliert werden.

Bautafel

Architekten: SeArch, Amsterdam zusammen mit CMA Christian Müller Architects, Rotterdam/Zürich
Projektbeteiligte: Bjarne Mastenbroek, Christian Müller (Entwurf), Studio JVM, Jeroen van Mechelen (Innenarchitektur Cardboard Bedroom), Bjarne Mastenbroek mit Christian Müller, Monica Ketting und Thomas Eyck (Innenarchitektur), Kurt Schnyder Bauunternehmung, Vals/CH (Bauunternehmen), Alex Kilchmann, Schluein/CH (Tragwerksplanung), Walch, Ludesch/A (Fassadenplanung), Comet, Vals/CH (Elektroplanung); Hawa, Mettmenstetten/CH (Schiebetürbeschläge Junior 120/B, Möbelbeschlag Miniroll 15)
Bauherr: Privat
Fertigstellung: 2009
Standort: Poststraße 38, 7132 Vals/CH
Bildnachweis: Iwan Baan, Amsterdam/NL