Bürogebäude The Box in Berlin

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Umbau eines Lagerhauses aus den 1960er-Jahren

Nordwestlich des Tiergartens und dicht am bogenförmigen Verlauf der Spree stand ein altes Lagergebäude, das wie so viele ungenutzte Gewerbe- und Industriebauten in Berlin bis 2012 als Veranstaltungsort zwischengenutzt wurde. Der viergeschossige Baukörper mit quadratischem Grundriss, errichtet auf einem Sockelgeschoss, stammt aus dem Jahr 1969. Zunächst diente er als Lager, und nach seinem Umbau 1980 zur Herstellung und Abfüllung von Kosmetikartikeln. Insofern hatte das Bauwerk schon ein paar Stationen hinter sich, als die Berliner AHM Architekten es 2014 in das Bürogebäude The Box umwandelten, das sie selbst auch nutzen.

Der ehemals weitgehend geschlossene Bestand ist ein Stahlbetonskelettbau mit 37 Metern Seitenlänge. Die Tragkonstruktion basiert auf einem Raster mit Achsmaßen von 7,20 Metern und besteht aus vorgefertigten Doppelstegplatten (PI-Platten) mit Aufbeton, die auf Unterzügen und Stützen gelagert sind. Massive Treppenhäuser an zwei diagonal gegenüberliegenden Ecken in nordöstlicher und südwestlicher Richtung dienen der Aussteifung des Gebäudes. Mit 4,50 Metern sind die Geschosse sehr hoch, das Erdgeschoss liegt etwa 1,50 bis 2,00 Meter oberhalb des Terrains. An der Ostseite ragt der Gebäudesockel als breite Rampe hervor – hier erfolgte die Anlieferung der Waren.

Um die gewünschte Büronutzung in den hohen, loftartigen Geschossen mit den tiefen Grundrissen umsetzen zu können, sollte reichlich Tageslicht ins Gebäude geführt werden. Wichtig war auch die Schaffung einer klaren Eingangssituation zur südlichen Gutenbergstraße. Die Architekten entfernten die wenig attraktive Fassade aus vorgefertigten Waschbetonfertigteilen und fügten ein zentrales, glasüberdachtes Atrium ein, das den Kern des Gebäudes mit Tageslicht versorgt. Außerdem schufen sie ein zusätzliches Staffelgeschoss in leichter Stahl-Beton-Verbundbauweise. Die unterschiedlich großen Büroflächen sind nun als autonome Mieteinheiten um den Lichthof angeordnet und durch Glaswände von den umlaufenden Galerien getrennt. Der neue Eingang an der Gutenbergstraße führt mit einer überdachten Treppe ins erhöhte Erdgeschossniveau des Hauses und weiter zur ebenfalls neuen Treppen- und Aufzugsanlage im Atrium. Die barrierefreie Erschließung des Gebäudes ist an seiner Ostseite möglich: Hier gibt es einen Zugang mit Personenaufzug ins Erdgeschoss und den weiteren Etagen. Die ehemalige Laderampe ergänzt als Terrasse eine breite Gewerbeeinheit mit Gastronomie und ist über ein paar Treppenstufen ebenfalls von außen zugänglich.

Aufgrund der Fertigteilbauweise war der Rückbau einzelner Tragelemente für das Atrium relativ unproblematisch. Der Erhalt der überwiegend in gutem Zustand vorhandenen Stahlbetonskelettkonstruktion als prägende Struktur war den Planern wichtig. Sie bleibt sichtbar und erhielt einen neuen Farbanstrich. Neu eingefügte Elemente wie eine bis zur Überdachung des Atriums herangeführte Wand am Treppenaufgang sowie die Fertigteilkonstruktion oberhalb des dritten Obergeschosses sind in Sichtbeton ausgeführt. Die technischen Ausrüstungen für Lüftung und Beleuchtung verlaufen sichtbar unterhalb der Deckenkonstruktion.

Bauphysik

Wesentlich für den Umbau und die Neugestaltung des Gebäudes der späten 1960er-Jahre ist der Erhalt des Stahlbetonskeletts als charakteristisches Merkmal. Um die erforderliche Trittschalldämmung zu gewährleisten, wurde der Fußbodenaufbau neu hergestellt. Oberhalb der Dämmung wurde ein schwimmender Heizestrich mit einer durchgängigen mineralischen Beschichtung eingebaut.

Im Gegensatz zum umgenutzten Bestand mit sichtbar geführten Installationen aus verzinktem Stahlblech erhielt das Staffelgeschoss einen höheren Ausbaustandard. Hier liegen die Installationen verborgen in einem Hohlraumboden, der ebenfalls mineralisch beschichtet ist. Die Dachkonstruktion aus Stahlträgern im Verbund mit Stahlbeton bleibt wahrnehmbar hinter einer abgehängten Ebene mit Langfeldleuchten und perforierten Aluminiumlamellen, die schallabsorbierend wirken.

Das Gebäude ist bis auf die geschlossene Westfassade jeweils zwischen den Stützen mit Holz-Aluminiumfenstern versehen: Festverglasungen unterschiedlichen Formats im Wechsel mit kleinen, manuell öffenbaren Senkklappflügeln. Innenliegende Rollos dienen als Blendschutz. Die geschlossenen Bereiche der Außenwand vor den Stützen, den Brüstungen und den Unterzügen sind mit einem Wärmedämmverbundsystem bekleidet. Dessen grobkörniger Putz erhielt einen silbernen Anstrich. Damit das einheitliche Gesamtbild der „Box“ nicht durch die neue Lochfassade verloren geht, ist dieser ein auskragender Wartungssteg mit flächiger Streckmetallbekleidung vorgesetzt.

Die Entrauchung aller Räume im Brandfall erfolgt mit Ausnahme einzelner Technikräume im Untergeschoss auf natürlichem Weg über die Fenster. Alle Nutzungsbereiche sind mechanisch belüftet, um gute Raumluftqualität zu gewährleisten und Wärmeverluste zu reduzieren. Die Lüftungsanlage ist mit einer hocheffizienten Wärmerückgewinnung ausgestattet, die Wärmeverluste reduziert und im Winter die Abwärme der Personen im Raum nutzt. Die Beheizung der Räume erfolgt über eine flächendeckende Fußbodenheizung mittels Fernwärme. Vor den raumhohen Fenstern im Staffelgeschoss wirken zusätzlich Bodenkonvektoren einem Kaltluftabfall entgegen. Die Außenwände der Aufstockung sind als Pfosten-Riegel-Konstruktion (Aluminium) mit Schiebetüren bzw. als vorgehängte hinterlüftete Fassade mit Aluminiumpaneelen ausgebildet. Vor zuviel Sonne schützt ein motorisch betriebener, außenliegender Sonnenschutz aus Edelstahllamellen.

Aus Gründen des Brandschutzes und zur Kompensation der im Bestand offen geführten Leitungen wurde eine Sprinkleranlage installiert. Die im Brandfall notwendige Evakuierung des Bürohauses ist über die bestehenden, diagonal in zwei Ecken angeordneten Treppenhäuser möglich. us

Bautafel

Architekten: AHM Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: IBB Ingenieurbüro für Bauwesen Prof. Burkhardt (Objektplanung LPH 6-8); SFB Saradshow Fischedick Berlin Bauingenieure (Tragwerksplanung); IGZ Ingenieurgesellschaft Zimmermann (TGA); HHP Berlin Ingenieure für Brandschutz (Brandschutz); Akustik Ingenieurbüro Moll (Schallschutz)
Bauherr: ANH Hausbesitz, Berlin
Standort: Gutenbergstraße 4, 10587 Berlin
Fertigstellung: 2014
Bildnachweis: ANH Hausbesitz, AHM Arnke Häntsch Mattmüller Gesellschaft von Architekten, Berlin; Fotografen: Christian Richters, Berlin sowie Peter Neusser, München

Architektenprofil

AHM Architekten BDA
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