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Modernisierung/Umbau

Kaufhaus Breuer in Eschweiler

Außenansicht Wohnung mit Lichthof und Terrasse Treppenhaus

Bildergalerie | 1 | 2 | 3 | 4 |

Städtisches Wohnzimmer, Einkaufen und Senioren-Wohnen

Das viergeschossige "Kaufhaus Breuer" wurde in den Jahren 1946-51 vom Architekten Hellmuth Müller in Stahlbetonskelettbauweise errichtet. Die Formensprache mit der abgerundeten Gebäudeecke, den durchlaufenden Gesimsen und den gebogenen Fenstern erinnert stark an die 1920er Jahre-Bauten von Erich Mendelsohn. Auch die hochwertige Innenausstattung und die eleganten Details zeichneten das Gebäude schon vor Sanierung und Umbau als Architekturjuwel aus. In den Jahren 2004-2006 wurde das Haus in der Fußgängerzone von Eschweiler, nach über 30 Jahren Leerstand, vom Kölner Architekturbüro BeL umgebaut und wieder mit Leben gefüllt. Die neue Nutzung reagiert auf den Trend der Reurbanisierung: Besonders ältere Menschen ziehen wieder zurück in den Stadtkern, um die Abhängigkeit vom Auto gegen die Vorzüge eines dichten Stadtgefüges zu tauschen. Es entstanden Räume für eine Mischnutzung aus Einzelhandel, einer halböffentlichen Einrichtung und barrierefreiem Wohnen.

Neue, zeitgemäße Einzelhandelsflächen wurden im Erdgeschoss geschaffen. Im 1. Obergeschoss – das sich derzeit noch im Rohbau befindet – ist ein Funktionsraum vorgesehen, der zukünftig als "Städtisches Wohnzimmer" dienen soll. So bezeichnen die Architekten das Konzept, dort einen Kinderbetreuungsdienst für einkaufende Eltern und eine gastronomische Nutzung anzusiedeln. Die Räume können aber auch als Büro- oder Praxisflächen genutzt werden. Die zweigeschossige 7 m hohe Eingangshalle erhielt durch gewaschenen Terrazzo aus Weißzement-Estrich auf dem Boden und an den Wänden eine robuste und doch edle Ausstrahlung.

Im 2. und 3. Obergeschoss wurden insgesamt acht Wohnungen (jeweils zwischen 50 und 70 qm groß) errichtet, von denen sieben der DIN 18025 T.2 entsprechen und eine rollstuhlgerecht (gem. DIN 18025 T.1) ist. Drei dieser Wohneinheiten im 2. OG sind für eine Senioren-Wohngemeinschaft mit 6 Bewohner/innen zu einer 210 qm großen barrierefreien Wohnung zusammengefasst worden, die über großzügige Gemeinschaftsflächen, vier Einzel- und ein Doppelzimmer mit jeweils einem eigenen Bad verfügt. Alle Wohnungen werden über kleine Lichthöfe erschlossen, die in das Betonskelett eingeschnitten wurden. Diese dienen – bei geöffneten Türen – als halböffentliche Zwischenzonen und Vorgärten. Bei geschlossener Tür zur Flurzone können sie aber auch introvertierte Patios und private Freiräume sein. Die Höfe sind zu den Wohnungen hin vollverglast und reinweiß gestrichen, um eine mehrseitige Belichtung und Belüftung der Wohnflächen zu ermöglichen. Die neuen Grundrisse bewahren den Charakter des Hauses in seiner Offenheit und ermöglichen eine große Flexibilität in Bezug auf mögliche Nutzungen.

Eine gemeinschaftliche Dachterrasse – selbstverständlich mit dem Aufzug erreichbar – bietet mit 100 qm Größe viel Platz für gemeinsame Aktivitäten im Freien, windgeschützte Sitzflächen und einen Lagerraum für Gartenmöbel.

Barrierefreies Bauen
Die Ausstattung der Wohnungen entspricht der DIN 18025 und beinhaltet neben einem Aufzug breitere Flure, stufen- und schwellenlose Erreichbarkeit aller Räume, breitere und höhere Türen sowie größere Bäder mit Bodeneinlauf für die Dusche. Durch die in das Gebäude eingefügten Höfe konnten die in der DIN geforderten Freibereiche hergestellt werden. Auch hier wurden überall ebenengleiche Details vom Außen- zum Innenraum ausgeführt.

Bezüglich der Barrierefreiheit ist auch der in die Wand eingelassene historische Handlauf, interessant. Mit diesem Detail konnten die geforderten Treppenlaufbreiten trotz der begrenzten Platzverhältnisse realisiert werden. Die Umfassung des Handlaufes dient zugleich als Beleuchtung des Treppenlaufs. Die Trennwand zwischen Erschließung und Wohneinheiten geht in ihrer Kurvatur auf die Wenderadien von Rollstühlen zurück. Die geforderte Mindestbreite ist so im gesamten Erschließungsraum gewährleistet, räumlichen Hindernissen wie Treppe und Fahrstuhlschacht wird in den beschriebenen Rollstuhlwenderadien ausgewichen.

Das Farbkonzept geht vor allem auf den Bestand zurück. Die gewählten Farben und Materialien generieren sich aus Vorgefundenem: der von den Architekten entwickelte Glasperlenputz an der Außenfassade ist die zeitgenössische Entsprechung eines Kratzedelputzes, wie er am Eingangsbereich des Kaufhauses unter Verkleidungen vorgefunden wurde. Das Changieren der Außenfassade unter unterschiedlichen Lichtbedingungen lässt sich vor Ort gut beobachten. Im Inneren sind die Wohneinheiten sowie der Erschließungsraum in perlweiß gehalten, einer angenehm sanften Farbe, die den Bezug zum historischen Kontext wahrt.

Das Projekt wurde mit einer "Auszeichnung Guter Bauten" des BDA Aachen prämiert. -th

Bautafel

Architekten: BeL – Anne-Julchen Bernhardt und Jörg Leeser, Köln
Projektbeteiligte: Jürgen Bernhardt, Köln (Statik); energieplan, Köln (Haustechnik)
Bauherr: Anna Maria und Andrea Breuer, Köln
Fertigstellung: 2006
Standort: Grabenstraße 38 in Eschweiler bei Aachen
Bildnachweis: Veit Landwehr, Köln

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