Horstmann-Haus Ruhrort in Duisburg
Attraktive Kombination von Seniorenstift und Kindergarten
Im Horstmann-Haus in Duisburg-Ruhrort realisierten die Architekten Eller + Eller ein ungewöhnliches Konzept: die Kombination eines integrativen Kindergartens und eines Seniorenstiftes. Der Bau entstand als Teil eines dreiteiligen Gebäudeensembles, das auch noch ein Bürogebäude und ein Ärztehaus umfasst. Das Gebäude verfügt insgesamt über eine Nutzfläche von mehr als 7.000 Quadratmetern und wurde im Mai 2006 in Betrieb genommen.
Der L-förmige Baukörper des Horstmann-Hauses liegt entlang der Straße bzw. zu einem Platz. Der signifikante halbkreisförmige Gebäudeteil mit großen Glasflächen öffnet sich zu einer Parkanlage mit gewachsenem Baumbestand. Durch diese Geste, wird der Park "ins Gebäude hineingeholt", gleichzeitig entsteht ein geschützter Terrassen- und Freibereich für die großen und kleinen Bewohner und Besucher. Eine ruhige Natursteinfassade gibt dem heterogenen Erscheinungsbild der Nachbarbebauung Halt. Plastizität erhält die Fassade durch die tief sitzenden Fenster. Die Höhe von nur drei Etagen stellt den Übergang zur Reihenhausbebauung in der Nachbarschaft her.
Kern des Gebäudes ist eine Licht durchflutete runde Empfangshalle, die über große Glasflächen im Erdgeschoss den Park in die Innenraumgestaltung mit einbezieht. Diese "Lobby" zieht sich als Lichthof durch die gesamte Höhe des Gebäudes und wird durch eine Dachverglasung natürlich belichtet. Dieser Luftraum verbindet die verschiedenen Geschosse und auch die beiden Gebäudefunktionen miteinander. Hier sind der Aufzug angeordnet und die zentralen Erschließungswege angebunden. Der Lichthof ermöglicht Blickkontakte zwischen den verschiedenen Ebenen und Teilhabe auch für diejenigen Bewohner des Seniorenstiftes, die nicht die Einrichtungen im Erdgeschoss besuchen können. Angrenzend an die Eingangshalle im Erdgeschoss ist ein Cafe/Bistro, in dem ein offener Mittagstisch auch für Menschen aus dem Stadtteil angeboten wird. Außerdem gibt es einen Andachtsraum für Messen und Trauerfeiern, einen Frisörsalon und das Büro eines ambulanten Pflegedienstes.
Das Seniorenstift St. Nikolaus ist konzipiert für 80 Bewohner und Bewohnerinnen. Es bietet in den beiden Obergeschossen 40 Plätze für die stationäre Pflege, 28 Plätze für Demenzerkrankte und zwölf Plätze speziell für die Pflege von jungen und alten Schlaganfallpatienten, die mit entsprechenden Therapieangeboten auf ein "normales" Leben vorbereitet werden sollen. Die Bewohnerzimmer sind überwiegend Einzelzimmer und etwa 16,5 qm groß. Die Doppelzimmer sowie die Räume für die Schlaganfallpatienten haben 22 bzw. 24 qm Fläche. Sie sind hell und freundlich und mit warmen Farben und Materialien ausgestattet, alle Zimmer verfügen über ein 4,5 qm großes Bad. Auf den Bewohneretagen gibt es geräumige Aufenthaltsbereiche, außerdem eine Therapieküche und die notwendigen Personal- und Nebenräume.
Eine, von großen Bullaugen und Flügeltüren durchsetzte, Wand trennt die in den beiden Gebäudeflügeln untergebrachten, autarken Funktionsbereiche Kindergarten und Stift voneinander. Durch die Fenster besteht jederzeit die Möglichkeit des Blickkontaktes, die ausladenden Flügeltüren können für gemeinsame Aktivitäten geöffnet werden. Dies und der gemeinsam genutzte Garten schaffen gegenseitigen Austausch und Kontakt zwischen alt und jung. Im Kindergarten sind, auf insgesamt ca. 650 qm, drei Gruppen mit je ca. 20 Kindern untergebracht: zwei für Kindergartenkinder und eine Hortgruppe für Schulkinder bis 14 Jahre. Der Hort wird im Jahr 2007 aufgelöst und dann ein integrativer Kindergarten für Kinder mit und ohne Behinderungen eingerichtet. Neben den eigentlichen Gruppenräumen gibt es einen Mehrzweckraum, einen Werkraum und einen Raum, in dem die Schulaufgabenbetreuung stattfindet. Alle Gruppenräume grenzen an die Frei- und Spielflächen im Garten.
Barrierefreies Bauen
Der gesamte Gebäudekomplex, inklusive der Freiflächen und Gartenanlagen, ist durchgehend rollstuhlgerecht nach DIN 18025 Teil 1 errichtet worden. Helle Farben, warme Materialien der Einrichtung, Teppichböden und holzfarbenes Linoleum sorgen für eine angenehme Atmosphäre.
Natürliches Licht spielt, nicht nur in der Lobby und im Lichthof, sondern auch in den Patiententrakten, eine große Rolle: Die freundlich wirkenden Zimmer sind mit großen Fensterflächen ausgestattet, und die Flure enden mit einer raumhohen Verglasung, die den Blick ins Grüne freigibt. Durch mindestens ein bodenständiges Fenster pro Bewohnerzimmer können auch bettlägerige oder im Rollstuhl sitzende Bewohner den Garten und das rege Leben dort beobachten.
In den Bewohnerzimmern und Nasszellen des Seniorenstiftes wurde darauf Wert gelegt, dass ausreichend Bewegungs- und Aufstellflächen vorhanden sind. So gibt es z.B. verschiedene Möglichkeiten, das Bett zu positionieren.
Die Therapieküche wurde so eingerichtet, dass Bewohner und Bewohnerinnen – die z.B. nach einem Schlaganfall im Rollstuhl sitzen – dort Alltagstätigkeiten einüben können. Im Park wurde zur Therapie von Demenzkranken eine Hochbeet-Anlage angelegt. Eine kleine Gehschule unterstützt die Physiotherapeuten bei ihrer Arbeit. -th
Bautafel
Architekten: Eller + Eller Architekten, Düsseldorf
Bauherr: Franz Haniel & Cie GmbH, Duisburg-Ruhrort
Fertigstellung: 2006
Standort: Dr.-Hammacher-Straße, Vinckeplatz
Bildnachweis: Werner Huthmacher, Berlin