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Modernisierung/Umbau

Abenteuer-Halle Kalk in Köln

Cafeteria-Podest Blick in die Warmhalle Grundriss Erdgeschoss (Zeichnung: Nebel Pössl Architekten)

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Jugendprojekt in umgenutzter Industriehalle

Als sie im Jahr 2001 die Aufgabe bekamen, eine Abenteuer-Halle für Jugendliche zu planen, waren Erich Pössl und Thomas Nebel gleich elektrisiert: Nicht nur, weil für sie "das Bauen das letzte legale Abenteuer ist, das dem Erwachsenen noch geboten wird" (Architekten), sondern vor allem aufgrund der ungewöhnlichen Bauaufgabe und des eindrucksvollen Gebäudebestandes. Die um 1900 gebaute, ehemalige Maschinenhalle der Klöckner-Humboldt-Deutz-Werke in Köln-Kalk, sollte zu einem Jugendhilfe-Projekt zur Prävention vor Straffälligkeit im Bereich Gewalt, Sucht und Rassismus umgebaut werden. Als offene Jugendfreizeitstätte, die von der Jugendzentren Köln gGmbH betrieben wird, stellt die "Abenteuer-Halle Kalk" dem Spaß am Bewegungs- und Trendsport Gruppenerfahrungen und auch soziale Neu-Orientierung zur Seite.

Die alte Substanz und das Thema "Klettern" inspirierten die Entwerfer zu einer offenen Raumkonzeption, die die dritte Dimension erlebbar macht. Zwei Hallen stehen den Jugendlichen zur Verfügung: Die Haupt- oder "Warmhalle", 11 m hoch und durch Dachlichter erhellt sowie die "Kalthalle", 5 m hoch und mit Nordsheds überdacht. In die 990 qm große "Warmhalle" wurde ein dreigeschossiger Einbau eingestellt, der das erste Joch des Hallenraums ausfüllt. Dort befinden sich im Erdgeschoss der Eingangs- und Foyerbereich mit Cafeteria, Geräteverleih, Küche, Sanitätsraum und zugehörigen Nebenräumen, im 1. Obergeschoss sanitäre Einrichtungen und ein pädagogisches Betreuungsbüro sowie im 2. Obergeschoss weitere Büros und ein Clubraum für Versammlungen und Abendveranstaltungen. Von den Seminarräumen im 2. Obergeschoss blickt man in die Halle und auf die Kletterwand.

Dadurch, dass sich der Gastraum der Cafeteria als offenes und leicht angehobenes Deck in den Hallenraum vorstreckt, wird einerseits der Bereich vor den Kletterwänden geschützt, andererseits werden dadurch die Besucherströme gelenkt. Eine Stahlbrücke unter dem Hallendach gliedert den Raum in der Mitte. Dieser kann so für Veranstaltungen, z.B. durch einen Vorhang, geteilt werden. Regie und Beleuchtung haben in der Brücke einen sinnvollen Ort. Das Erdgeschoss bleibt ansonsten, z.B. für Parcours, in der gesamten Länge offen.

Die 1.750 qm große "Kalthalle", die sich weit in der Horizontalen erstreckt, teilt sich in einen Skate- und in einen Trial- (Geländefahrrad-)bereich. Sie dient als überdachter Spielplatz mit Witterungsschutz und wird als Freiraum für Spiel und Nutzung in Eigeninitiative den Jugendlichen angeboten. Ein dreieckiger Versorgungstrakt zwischen Warm- und Kalthalle, beinhaltet das Treppenhaus, den Aufzug und die Technikräume.

Die Einbauten sind so angeordnet, dass sie den Besuchern ermöglichen, sich die dritte Dimension zunächst durch einfaches Umherwandeln zu erobern. Die Höhe des Raumes erschließt sich durch vielfältige Blicke in die Halle und zwischen den einzelnen Ebenen. Es gibt Bauteile, denen man "aufs Dach steigen" kann, es gibt Bauteile, die in der Luft schweben, es gibt Stege und Balkone. Man kann aus vielen spannenden Perspektiven zunächst zuschauen und wird so an das Klettern herangeführt, bis man es schließlich selbst wagt.

Die Materialien und Oberflächen sind robust und passen sowohl zu den ständig wechselnden Nutzungen, als auch zum historischen Industriecharakter. Der Bodenbelag besteht aus Gussasphalt. Die Einbauten sind aus Sichtbeton, Innenverglasungen haben Stahlrahmen. Eine effiziente Innendämmhülle reduziert die technischen Investitions- und die Verbrauchskosten, während sie gleichzeitig schalltechnische und raumakustische Aufgaben übernimmt. Die Lüftungsanlage ist mit Wärmerückgewinnung ausgestattet. Das vorhandene Dachflächenwasser wird über eine Zisterne für die WC-Anlagen verwendet.

Barrierefreies Bauen
Alle Bereiche der "Abenteuer-Halle" sind barrierefrei erschlossen und gem. DIN 18024 Teil 2 ausgestattet. Das Behinderten-WC ist dementsprechend mit Haltegriffen, höhenverstellbarem Waschtisch, kippbarem Spiegel, Notruf etc. ausgestattet. Der Aufzug verbindet die Ebenen, das um ca. 60 cm angehobene Cafeteria-Podest wird über Rampen erreicht. Da alle Flächen auch mit dem Rollstuhl nutzbar sind, findet in der AbenteuerHalle – neben Klettern, Inline-Skating, BMX-Radfahren und Skate-Boarding – regelmäßig auch Rolli-Sport, wie z.B. "Integrativer Streetball für alle", statt.

Gefördert wurde das Projekt durch das Ministerium für Städtebau, Wohnen, Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalen, durch die Stadt Köln und durch "Wir helfen - der Unterstützungsverein von M. DuMont Schauberg e.V.". -th

Bautafel

Architekten: Nebel Pössl Architekten BDA, Köln
Bauherr: Jugendhilfe Köln e.V., Köln
Fertigstellung: 2005
Standort: Christian-Sünner-Straße, Köln-Kalk
Bildnachweis: H. G. Esch, Hennef

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