Einfamilienhaus in Lehrte
Bad im Zentrum des Wohnraums
Reduzierte Formensprache, roh belassene Materialien und nicht zuletzt die geschickte Lenkung des einfallenden Lichts verleihen dem Bad eines Lehrter Wohnhauses die gewünschte Ruhe und schaffen eine archaische Atmosphäre für tägliche Rituale. Es steht im Zentrum des Wohnbereichs, dessen Innenräume geprägt sind durch einfache Materialien wie Sichtbeton, Porenbeton und Eichenparkett.
Das Einfamilienhaus ist eine ungewöhnliche Variante der Garagenaufstockung, durch die ein Wohnraum entsteht. Ein Sichtbetonriegel wurde als additives Element auf bestehende Garagen gelegt, von denen eine nun als neuer Eingangsbereich dient. Der Aufgang zum Wohnbereich liegt in einem separaten Treppenhaus, gestaltet aus gebrochenen Betonsteinen. Der darüber liegende Riegel ist zu allen Seiten verglast. Als Sichtschutz dienen vorgelagerte, satinierte Glaslamellen. Sie gliedern die großen Glasfassaden und filtern einfallendes Tageslicht. Eine gute Lichtführung und der sinnliche Umgang mit Materialien sind für Architekt Axel Nieberg aus Hannover ganz wesentlich. In seinen Häusern möchte er Ruhe und Geborgenheit schaffen und einen Gegenpol zur Reizüberflutung.
Bad und Sanitär
Das innen liegende Bad ist der zentrale Raum und steht frei im Wohnbereich. Seine Erschließung erfolgt von zwei Seiten in Form von schmalen Gängen, die gleichzeitig als Ankleideräume dienen. Zwei Türen aus satiniertem Glas trennen den sanitären Bereich vom Wohnraum ab und leiten einfallendes Tageslicht hinein. Eine geschlossene Mittelzone bietet Raum für Waschtisch, WC und Bidet. Hier sind fremde Einblicke nicht möglich, die Belichtung erfolgt über eine 4 m² große Lichtkuppel in der Decke.
Die Dusche befindet sich in einer schmalen, länglichen Nische. Hier fällt gedämpftes Licht durch ein seitlich liegendes, Raum hohes Fenster aus satiniertem Glas und sorgt so für eine ruhige, intime Atmosphäre. Die Badewanne hat einen ganz besonderen Platz: Sie wurde ebenfalls in eine Nische gebaut, zwischen eine Betonwand mit Rödellöchern und eine Wand mit Mosaikfliesen. Die schmale Nische öffnet sich am Kopfende ebenfalls mit einer satinierten Glasscheibe.
Die Materialität des Bades orientiert sich an dem Gesamtkonzept des Hauses. Die Wände aus Sichtbeton bilden mit den Glasflächen ein Zusammenspiel von Schwere und Leichtigkeit. Die Mosaikfliesen in der Größe 5 x 5 cm an Boden und Wänden kontrastieren zudem mit den großen Betonflächen. Um die verschiedenen Wirkungen des Lichts im Laufe eines Tages an den Wand- und Bodenflächen herauszuarbeiten, wurden für die Fliesen verschiedene Grautöne gewählt. Die Betonwände erscheinen tagsüber in ruhigem Grau und schimmern nachts in diffusem Licht.
Der Waschtisch ist eine Sonderanfertigung nach einem Entwurf des Architekten. Das Waschbecken ist als Unterbaubecken montiert, so dass die Stärke des Betons in der Aussparung sichtbar ist. Unter dem gesamten Waschtisch sind Auszüge als Stauraum angeordnet, seine Betonplatte sowie die Wände im Dusch- und Badewannenbereich sind transparent imprägniert. Dadurch perlt das Wasser ab und es bleiben keine Kalkrückstände zurück.
Das Bad wird über eine Fußbodenheizung und zusätzlich über einen schmalen, Raum hohen Heizkörper erwärmt. Die Lüftung erfolgt über das große Deckenoberlicht, das mechanisch geöffnet werden kann. Speziell vom Architekten entwickelte Leuchten wurden ohne eigenes Gehäuse direkt in die Sichtbetondecke integriert und es entstehen einfache, beleuchtete Öffnungen im Beton. Offene Lichtleisten sorgen zusätzlich für orangefarbenes Licht und einen wohnlichen Charakter. Alle Leuchten sind dimmbar, so dass eine harmonische Lichtatmosphäre entsteht.
Bautafel
Architekt: Axel Nieberg, Hannover
Projektbeteiligte: Vola, Horsens/DK (Armaturen); Winter Haustechnik, Lehrte (Heizung und Sanitär); Duravit, Hornberg (Waschbecken, WC, Bidet); Kaldewei, Ahlen (Badewanne); Dallmer, Arnsberg (Bodenablauf); Zehnder, Lahr (Heizkörper); Villeroy und Boch, Mettlach (Fliesen)
Standort: Lehrte
Bauherr: Detlef Klose, Lehrte
Fertigstellung: 2004
Bildnachweis: Axel Nieberg, Hannover

