Stadthaus in Berlin-Mitte

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Kochen, Essen und Wohnen als Einheit

Mitten im historischen Zentrum Berlins wurden im Rahmen des Planwerks Innenstadt mehrgeschossige Reihenhäuser nach Amsterdamer Vorbild realisiert. Die sogenannten Berlin Townhouses ermöglichen Wohnen im eigenen Haus mit Garten in zentraler Lage. Auf der ehemaligen Freifläche zwischen Außenministerium und Hausvogteiplatz standen insgesamt 47 Grundstücke in Größen zwischen 120 und 290 m² zur Verfügung. Sie sind überwiegend 6,50 m breit und weisen Bebauungstiefen von 13 bis 16 m auf. Über 30 Architekten entwickelten im Auftrag ihrer Bauherren unterschiedliche Häuser.

Eines der Stadthäuser entstand nach Plänen der Berliner Architektin Johanne Nalbach. Der schmale Baukörper ist in fünf Etagen gegliedert, die durch ein offenes, einläufiges Treppenhaus und einen internen Aufzug erschlossen werden. Heller geschliffener Sandstein sowie bronzefarbene Fenster- und Türrahmen bestimmen die Fassade. Große, raumhohe Fensterfronten an der Vorder- und Rückseite des Hauses schaffen eine Sichtachse und sorgen für lichtdurchflutete Innenräume.

Über eine zurückspringende Staffelung der Natursteinfassade im Erdgeschoss werden Besucher zum Eingang geleitet. Gäste betreten zunächst die Empfangshalle. Die Garderobe verbirgt sich hinter weiß lackierten, großformatigen Paneelen. Eine große, zweiflügelige Schiebetür führt zum lang gestreckten Wohnraum mit Kaminzone und weiter in den Garten. Das Haus ist in drei Bereiche gegliedert: einen repräsentativen Wohn- und Essbereich im Erd- und Galeriegeschoss, einen halböffentlichen Arbeitsbereich und zwei Kinderzimmer im zweiten und dritten Obergeschoss sowie private Schlaf- und Wellnessbereiche in den oberen Geschossen.

Wiewiorra Hopp Architekten aus Berlin gestalteten die Innenräume. Um den Bewohnern viel gestalterische Freiheit zu lassen, schufen sie funktionale, minimalistische Einbauten für ausreichenden Stauraum in großzügigen und überwiegend weißen Räumen. 
 
Küche und Bad
Koch- und Essplatz bilden eine Einheit und befinden sich auf einer Galerie im ersten Obergeschoss. Eine gläserne Brüstung ermöglicht den freien Blick über einen sechs Meter hohen Luftraum und die Wohnebene im Erdgeschoss. Als verbindendes Element fungiert ein Schrank über beide Etagen. Das raumbildende Möbelstück ist aus weiß lackierten MDF-Platten gefertigt und erhält Struktur über eine geschlitzte Oberfläche aus eingefrästen Nuten. Im Erdgeschoss beherbergt es neben reichlich Stauraum einen Kamin und eine Bar. Im Obergeschoss bietet es Platz für Küchen- und Einbaugeräte wie Ofen, Dampfgarer, Espressomaschine und einen weiteren Kamin. Im Zentrum der Wohnküche steht ein 15 Meter langer, weißer Block, gefertigt aus einem acrylgebundenen Mineralwerkstoff. In diesen monolithischen Block integriert sind zwei Edelstahlspülen und ein Induktionsherd. Eine mit weißem Leder gepolsterte Vertiefung fungiert als Sitzbank vis-à-vis zum Kamin, den Abschluss bildet ein langer Essplatz. Ein hell gefliester Boden aus Feinsteinzeug ergänzt die reduzierte Gestaltungslinie.

Zwischen den beiden Kinder- bzw.Gästezimmern im dritten Obergeschoss befindet sich ein Bad und ein separates WC. Das zum Garten orientierte Elternschlafzimmer in der vierten Etage ist über eine Ankleide mit einem weiteren, großzügigen Bad verbunden. Sind die Schiebetüren geöffnet, fällt Licht aus zwei Himmelsrichtungen in die Räume und reizvolle Sichtachsen entstehen. Auch die Bäder sind minimalistisch gestaltet: Im Elternbad steht eine organisch geformte Wanne frei vor einer verglasten Front. Beim langen Doppelwaschtisch aus Mineralwerkstoff scheinen Becken und Platte wie aus einem Guss gefertigt. Das eingearbeitete Gefälle leitet das Wasser zu einer langen Fuge und zum verdeckten Ablauf. Schlichte Standarmaturen mit breitem, flachen Auslauf ergänzen das geradlinige Erscheinungsbild. Für den Boden und die Wände wählten die Planer ebenfalls helle Feinsteinzeugfliesen. Während der Duschbereich im Elternbad mit weißen Glasmosaikfliesen ausgestattet ist, kamen im Kinderbad grüne und im Wellnessbereich türkisblaue Mosaikfliesen zum Einsatz. Im Dachgeschoss befinden sich eine Sauna mit Blick über die Dächer von Berlin, ein Fitnessraum und eine Dachterrasse.

Bautafel

Architektur: Nalbach+Nalbach Architekten, Berlin
Projektbeteiligte: Wiewiorra Hopp Architekten, Berlin (Innenarchitektur); Agape, Correggio Micheli di Bagnolo San Vito/I (Badewanne), Dornbracht, Iserlohn (Armaturen Bad), Bisazza, Mailand/I (Glasmosaik Bad)
Bauherr: privat
Standort: Berlin-Mitte
Fertigstellung: 2009
Bildnachweis: Thorsten Klapsch, Berlin (1+3-20), Tobias Wille, Bewrlin (2), Wiewiorra Hopp Architekten, Berlin (Zeichnungen)