Ökodorf in Ahrensburg
Modernisierung als Niedrigenergiehäuser im Bestand
Ausgangssituation des Projekts war ein aufgelassenes Gelände des Ausbildungszentrums Wulfsdorf (AZW) mit bestehenden Gebäuden. Diese sollten nach Wunsch der 1999 ins Leben gerufene Bauherren-Initiative "Initiativkreis Gut Wulfsdorf" in eine dörfliche Lebensgemeinschaft umgewandelt werden. Erst 2002 wurde daraufhin der Verein „Allmende Wulfsdorf“ gegründet, der in den darauffolgenden zwei Jahren nach weiteren TeilnehmerInnen und InvestorInnen für das Projekt suchte. Die Idee hat überzeugt - aus dem Konzept wurde Wirklichkeit. Im Juli 2004 kaufte der Verein das 6,5 ha große Grundstück und begann sukzessive mit der baulichen Umsetzung. Insgesamt sollen etwa 300 Menschen in neun Hausgemeinschaften, sechs Gewerbebauten und einer Sporthalle wohnen, arbeiten oder ihre Freizeit verbringen. Die Hausgemeinschaften bestehen aus zwei bis zwölf Wohnparteien, die gemeinsam ihr Haus planen, bauen und bewohnen.
Sanierung/Modernisierung
Die sechs bestehenden Wohnhäuser, in einfacher Mauerwerkskonstruktion erstellt, wurden mit ökologischen Baustoffen zu Niedrigenergiehäusern modernisiert. Dabei reduzierte sich der ursprünglich vorhandene jährliche Primärenergiebedarf von 180 Kilowattstunden (kWh) je Quadratmeter und Jahr um 91 % auf 17 kWh je m² und Jahr. Die bereits erwähnten Bestandsgebäude wurden durch sechs zusätzliche Niedrigenergiehäuser ergänzt. In allen Gebäuden wird das Regenwasser der Dächer aufgefangen und mittels einer Regenwasser- Recycling-Anlage ins Hausnetz zur WC-Spülung und Gartenwassernutzung eingespeist. Zusätzlich zu den Wohnungen stehen für Gewerbetreibende insgesamt 4.000 Quadratmeter Hallen-, Werkstatt-, Atelier-, Büro- und Praxisflächen zur Verfügung. Der Verein wollte eine Mischung aus gestaltendem und dienstleistendem Gewerbe sowie freien Berufen schaffen. Eine Künstler- und Handwerkerhalle sowie ein Gesundheitszentrum sind geplant. Ein Kindergarten und die modernisierte Sporthalle wurden bereits realisiert. Die Gebäude werden über ein zentrales Holzhackschnitzelheizwerk und durch 120 qm Solarkollektoren mit Wärme versorgt (Solarthermie). Durch eine Vielfalt an Wohnformen (Hausgemeinschaften, Wohngemeinschaften, Sozialwohnungen) soll die gegenseitige Aufmerksamkeit und ein "dörfliches Miteinander" gefördert werden. Es wurde ein Sozialfond gebildet, um in Not geratene BewohnerInnen zu unterstützen. Die zahlreichen Aktivitäten auf der Allmende richten sich ausdrücklich auch an die BürgerInnen der Nachbarschaft. Dem Verein „Allmende Wulfsdorf“ ist es gelungen, die leer stehenden Wohngebäude und Werkhallen durch ein nachhaltiges Umnutzungs- und Nachverdichtungskonzept zu revitalisieren und eine große zukunftsorientierte Lebens- und Arbeitsgemeinschaft zu verifizieren. Entscheidend für den Erfolg war die Realisierung einer "Nutzungsmischung in dörflichem Maßstab".
Partner im Projekt Niedrigenergiehaus im Bestand der Deutschen Energie-Agentur dena sind: das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung BMVBS, die BASF und der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. BGW.
Bautafel
Planung: Gebrüder Schmidt, Bad Segeberg und Rapp+Tochternhagen, Hamburg
Projektbeteiligte: Ökoplan Hamburg (Haustechnik)
Bauherr: Allmende Wulfsdorf e.V und 24 private Bauparteien
Fertigstellung: 2004-2006
Standort: Bornkamsweg 35-38, 22926 Ahrensburg
Bildnachweis: Deutsche Energie-Agentur (dena)
