Villa Halbkreisstraße in Dresden
Gläserne Gaube und verglaste Fachwerkgiebel
Die denkmalgeschützte Villa Halbkreisstraße wurde 1904 nach Plänen des Architekten Johannes Mutze errichtet und Ende der 90er Jahre vollständig instandgesetzt und modernisiert. Abwechslungsreiche Gliederungen in Formen des durch neoromanische Anleihen und den Jugendstil beeinflussten Landhausstils bestimmen das Gebäude ebenso wie zahlreiche unterschiedliche Fensterformate und wertvolle historische Bleiglasfenster.
Fachwerk und hölzerne Ort- und Traufverkleidungen unterstreichen den ländlichen Charakter des Hauses. Ein vorspringender Balkon, ein mit Schiefer bekleideter Erker und ein Ziergiebel lockern den durch die Hanglage besonders imposant wirkenden Nordgiebel auf. Die künstlerisch tragende Idee des Hauses bilden nicht ordnende Elemente wie Achsen oder das für viele Dresdner Villen wichtige Motiv des Zentralraumes, sondern die Anwendung unterschiedlicher Materialien und die außerhalb von Symmetrieachsen gesetzten Elemente wie Erker, Türme, Loggien, die dieser Villa einen fast malerischen Charakter geben.
Der steil abfallende Garten mit seinem reichen Bestand an Nadelbäumen unterstreicht ebenfalls die Atmosphäre einer alpenländischen Kulturlandschaft.
Sanierung/Modernisierung
Leitgedanke der umfangreichen Sanierung und Instandsetzung, der die Villa bedurfte, war die behutsame Ergänzung mit den Mitteln der patchworkartigen Inszenierung von Einzelsituationen, die historisch betrachtet das idealisierende Gesamtmotiv eines großbürgerlichen Landhauses bilden. Gleichzeitig sollte jedoch den geänderten Bedürfnissen und Lebensgewohnheiten der Bewohner Rechnung getragen werden.
Unterhalb eines aufgeständerten neuen Wintergartens an der Stelle eines maroden und überformten Erkers, der abgebrochen wurde, konnte eine Souterrainwohnung großzügige Verglasungen und einen unmittelbaren Zugang zum Garten erhalten. Auch im Erdgeschoss wurden widersprüchliche Grundriss-Überformungen abgebrochen zugunsten einer zentral angeordneten Diele, um die sich sämtliche Räume mit ihren höchst unterschiedlichen Aus- und Einblicken gruppieren. Anders als die eher klassischen Grundrissdispositionen im Souterrain und im Erdgeschoss folgt das Obergeschoss als Maisonettewohnung modernen Überlegungen. Ein als „Wegraum“ konzipierter Flur erzeugt eine interne Sichtachse zwischen dem hangabwärts gelegenen Zentrum Dresdens und dem nach Süden ansteigenden Garten. Ein zylindrischer Körper, der eine Wendeltreppe enthält, bohrt sich wie eine Spirale in das Dachgeschoss, das als Einraum-Studio für den Bauherren, einen Grafiker, konzipiert ist. Das Fachwerk des Nordgiebels wurde vollständig entfernt und mit minimierten Stahlprofilen nahezu rahmenlos verglast, um einen grandiosen Blick auf das Elbtal zu ermöglichen.
Durch die sorgfältige Sanierung der alten Bausubstanz und das kompositorisch ausgewogene, aber dennoch selbstbewusste Einfügen neuer Elemente bewahrt die Villa nicht nur ihre Würde, sondern bietet den Bewohnern Freiraum zur persönlichen Entfaltung und Behaglichkeit innerhalb des historischen Rahmens.
Bautafel
Architekten: Johannes Mutze, Dresden (Original); Edwin Busch und Susanne Junker, Berlin (Modernisierung)
Bauherr: privat
Fertigstellung: 1904; Modernisierung 1999
Standort: Halbkreisstraße 21, Dresden
Bildnachweis: Christian Gahl, Berlin
