Umnutzung einer Scheune als Ferienhaus in Techin

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Erhaltung und Ergänzung in gelungenem Zusammenspiel

Die Scheune lag die letzten Jahrzehnte durch den Stacheldrahtzaun der ehemaligen Grenze zur DDR vom Wasser getrennt am Ostufer des Schaalsees. Bis nach der Wende war das Gebäude bewohnt, die landwirtschaftliche Nutzung war dagegen obsolet geworden. Der bauliche Zustand der Gebäudehülle verschlechterte sich ohne Zutun der Nutzer dem entsprechend rapide. Das Gebäude besitzt im Gegensatz zu den historisch wertvolleren Fachwerkscheunen des Dorfes einen prägnant reduziertes Erscheinungsbild. Die schlanke, minimierte Holzkonstruktion wird von einer spartanisch schlichten Ziegelhülle umschlossen. Atypisch für ein Scheunengebäude weist die Giebelfassade, die zum Dorf zeigt, Fensteröffnungen auf. Ein auskragender Dachüberstand - früher als Wagenunterstand genutzt - war nachträglich ebenfalls ummauert und in das Volumen integriert worden. Insgesamt war das Gebäude mehrfach umgebaut und erweitert worden. Als die neuen Bauherren das zum Kauf angebotene Gebäude erwarben, stand die Frage offen, wie mit der riesigen, stark maroden Bausubstanz umzugehen sei. Die exponierte Lage am See im Umfeld des denkmalgeschützten Dorfbilds einerseits, die offene Gebäudestruktur andererseits überzeugten die neuen Bauherren dagegen von seiner Attraktivität.

Sanierung/Modernisierung
Der bestehende Einbau aus der Nachkriegszeit wurde erhalten und sollte auch weiterhin zu Wohnzwecken genutzt werden. Der reduzierte Massivbau wurde im Wesentlichen belassen und lediglich um ein paar wenige, neue Elemente ergänzt. Eine zweigeschossige Sperrholzscheibe erweitert den Wohnraum und stellt erstmals eine Verbindung zum übrigen Scheunenraum her. Durch den teilweisen Rückbau der östlichen -ohnehin nachträglich ergänzten - Längsfassade entstand ein hofartiger Außenraum.
Die Erschließungstreppe befindet sich unter Dach in einem markant aus dem "Haus im Haus" ausgestülptem Metallzylinder, der an landwirtschaftliche Silos gemahnt. Vom Wohntrakt aus überspannt ein Gitterroststeg längs den Luftraum der Scheune bis zu einer Terrasse auf dem ehemaligen Heuboden. Von dort bietet sich ein Panoramablick auf den See. Das Erdgeschoss bestimmt ein Raumkontinuum aus Küche, Ess- und Wohnraum, wobei die Küche ein freistehender Arbeitstisch aus Sichtbeton dominiert. Bäder und Kaminblock wurden als eigenständige Baukörper aus Abbruchziegeln gemauert und nachträglich geschlämmt. Die Gebäudehülle wurde in Teilen auf seinen Ursprungszustand rückgebaut und saniert. Alle Ergänzungen wie z.B. Fensteröffnungen im Südgiebel lassen sich als klar erkennbare Zutaten vom Bestand ablesen. Die alten gusseisernen Stallfenster wurden aufgearbeitet und durch innen vorgesetzte, isolierverglaste Stahlfenster als "Kastenfenster" ergänzt.

Fest eingebautes Mobiliar, wie z.B. die Küchenzeile, wurde aus dunklem mit Phenolharz beschichtetem Birkensperrholz gefertigt. Alle weiteren verwendeten Materialien wie Douglasiensperrholz, verzinktes Stahlblech oder unbehandelter Stahl haben eine dem Ursprungsgebäude angemessene Schlichtheit.

Bautafel

Architekten: Petersen Pörksen Partner, Lübeck
Projektbeteiligte: Markus Kaupert (Projektleitung), A. Zepuntke, U.Schlüter, F.Köthe, F.Hildebrandt, M. Rüdiger (Mitarbeiter); Cornelius Back, Lübeck (Tragwerksplanung)
Bauherren: Dr. P.+ K. Rösler, Hamburg
Fertigstellung: 2003
Standort: Techin am Schaalsee
Bildnachweis: Stephan Baumann, Karlsruhe

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