Typisches Mietwohnhaus in Berlin

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Energetisch beispielhafte Sanierung

Das für Berlin typische Mietwohnhaus wurde vor genau 100 Jahren errichtet und liegt in Treptow nahe der Grenze zum Bezirk Kreuzberg. Es handelt sich um einen Mauerwerksbau mit Vorderhaus und Seitenflügel, dessen Quergebäude im Krieg zerstört und nicht wieder aufgebaut wurde. Das Gebäude steht nicht unter Denkmalschutz, nur die Wohnungseingangstüren erinnern noch an den Jugendstil der Entstehungszeit. In den 50er Jahren wurde die Fassade neu verputzt, zu DDR-Zeiten sehr einfache sanitäre Anlagen und Heizungen eingebaut sowie einzelne Fenster erneuert. Der Altbau beinhaltet 17 nicht sanierte Wohnungen mit Flächen von 50 bis 95 m².

Das Bauvorhaben umfasst die Sanierung nach Niedrigenergiestandard und den Ausbau des Dachgeschosses mit zwei zusätzlichen Wohnungen. Es wird zur Zeit im weitgehend bewohnten Gebäude umgesetzt. Im Anschluss entsteht eine vermietbare Wohnfläche von über 1.300 m².

Sanierung/Modernisierung
Die Fassade wird mit einem Wärmedämm-Verbundsystem mit einer Polystyrol-Hartschaumplatte aus Neopor der Wärmeleitstufe WLS 032 versehen. Die an die benachbarten Bauten angrenzenden Flächen werden vorschriftsmäßig mineralisch gedämmt. Die Dämmstärke ist so in der Regel auf 12 cm begrenzt. Dies ist in Anbetracht bestehender Wandstärken von 51 oder gar 64 cm in den unteren Geschossen und im Erdgeschoss relevant, da die erhöhte Wandstärke den Lichteinfall in die altbautypischen schmalen Fensteröffnungen beeinträchtigt.

Wesentlich für eine energetisch günstige Bilanz ist die konstruktive Vermeidung neuer und die Sanierung bestehender Wärmebrücken. So zum Beispiel im Bereich der Balkone, des Daches und bei der Herstellung der An- und Abschlüsse der Dämmungen. Das Ersetzen der beschädigten, gemauerten Balkonbrüstungen durch Metallgeländer reduziert die vorhandenen Wärmebrücken erheblich. Alle Fenster werden durch solche mit Wärmeschutzverglasung ersetzt. Sie können mit der Außenfassade bündig eingebaut und die Dämmung problemlos daran angeschlossen werden. Das gesamte Mauerwerk und die Treppenhäuser liegen so im Warmbereich und Wärmeverluste werden erheblich reduziert. Durch Entfernen der vorhandenen Faschen erhöht sich die lichte Öffnungsweite und der durch die größere Wandstärke eingeschränkte Lichteinfall wird kompensiert.

Das Dach wird vollständig neu errichtet und erhält eine Aufsparrendämmung aus einem System mit PUR-Hochleistungsdämmstoff. Die gesamte Tragkonstruktion liegt so im Warmbereich und Schäden durch Tauwasserbildung wird vorgebeugt. Die Luftdichtigkeit ist leichter herstellbar, sie wird mittels Blower-Door-Verfahren überprüft.

Das Haus wird an das zentrale Fernwärmenetz angeschlossen. Das Lüftungssystem gewinnt über eine Wärmepumpe im Heizungskeller die Wärme aus der Abluft zurück. Zuluft erhält jede Wohnung über in die Fenster integrierte Einlässe, die über Differenzdruck gesteuert sind. Überfeuchtungen, die zu Schimmelbildung führen können, werden durch das Lüftungssystem vermieden.

Auf der Steildachfläche des Seitenflügels wird ein Solarkollektor eingebaut, der den sommerlichen Warmwasserbedarf decken soll. Die Wärmepumpe kann zudem im Sommer auf Außenluftbetrieb umgeschaltet und zur Trinkwassererwärmung eingesetzt werden.

Die Sanierung des Mietshauses soll modellhaft für den Berliner Altbestand sein und ist in allen beschriebenen Bereichen auf ähnliche Gebäude übertragbar. Nach diesen Maßnahmen unterschreitet das Gebäude die Grenzwerte für Transmissionswärmeverlust Ht´ und Primärenergieverbrauch Qp der EnEV für Neubauten um mindestens 30 %. Sein Endenergiebedarf hat sich im Vergleich zu vorher um über zwei Drittel reduziert.

Bautafel

Projektbeteiligte: Firma Holzbär, Berlin (Bauleitung und -ausführung); BASF, Ludwigshafen (Dämmstoffe)
Bauherr: Ralf Hemmen/SynErgion Energietechnik, Berlin
Fertigstellung: 2008
Standort: Karl-Kunger-Str. 3, Berlin
Bildnachweis: dena, Berlin (1,2); U. Schmidt, Berlin (3,4)

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