St. Klara in Nürnberg

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Architektonisches Konzept ermöglicht "offene Kirche"

Die kleine romanisch-gotische Kirche St. Klara in Nürnberg wurde 1274 geweiht. Sie diente seitdem sehr unterschiedlichen Nutzungen, als Klosterkirche, evangelische Predigerkirche oder auch als Profanbau. Mitten in der Innenstadt ist der Raum bis heute ein willkommener Rückzugsort vom Alltag - unabhängig von Religion und Konfession - für Nürnberger und Touristen. Die Kirche hat keinen fest umrissenen Pfarrbezirk, sondern steht als sogenannte "Citykirche" allen offen.

Im Krieg wurden dem Gebäude schweren Schäden zugefügt, nur die Außenmauern und der Ostchor sind im Original erhalten. Vor den letzten Umbaumaßnahmen befand sich das Gotteshaus in einem sehr schlechten Zustand und musste dringend saniert werden: Putzschäden, undichte Fenster, schlechte Heizbedingungen und feuchtes Mauerwerk vergrößerten in einem ständigen Abbauprozess die vorhandenen Bauschäden.

Sanierung/Modernisierung

Die neue Citykirche aus dem Architekturbüro Brückner und Brückner umfasst drei Bereiche: Kirche, Kapelle und ein Gesprächszimmer für die Seelsorge. Die Kapelle fungiert dabei zusätzlich als Windfang und Vorraum zur Kirche, Warteraum zum Gespräch und weist trotzdem nicht den Charakter eines Durchgangsraums auf.

Die Erschließung wurde einschneidend verändert, ursprünglich ging man direkt von der Straße über drei Stufen unvermittelt ins Langhaus der Kirche. Der neue Zugang ist nun barrierefrei über die erwähnte kleine Eingangskapelle möglich. Um die Barrierefreiheit zu gewährleisten wurde der gesamte Vorplatz als schiefe Ebene ausgebildet. Die Türen der Kapelle sollen symbolisch immer weit geöffnet sein, ein Vorsatz, der durch die Windfangeigenschaften der Kapelle auch im Winter durchaus umsetzbar erscheint.

Diese Eingangskapelle stellt den Zwischenraum zwischen einem lauten Außen und einem stillen Innen dar. Der Durchgangsraum wird durch eine geschwungenen Wand artikuliert, die verschiedene Raumbereiche definiert:  einen kleinen Eingangsbereich, eine Madonnenkapelle und einen Wartebereich vor dem Gesprächszimmer der Seelsorge. Die unterschiedlichen Bereiche verfügen alle über die nötige Intimität, ohne dabei kleinteilig oder beengt zu wirken. Die geschwungene Wand besteht aus übereinander geschichteten dünnen Glasplatten und lackierten MDF Platten. Die beiden Materialien prägen durch ihre unterschiedlichen Lichtdurchlässigkeit und Reflexionen den Raum atmosphärisch und farblich sehr stark. Decke und Wände wurden neu verputzt und der Boden mit einem schwarzen Granit belegt. Ein Entlüftungssystem verhindert Russablagerungen der Opferkerzen.

Die Haupterschließung der Kirche führt von Eingangskapelle unter der Empore hindurch ins Langhaus. Die Empore konnte nach dem Einbau eines Fachwerkträgers aus Stahl im Brüstungsbereich stützenfrei ausgebildet werden. Sie wird über eine neue Spindeltreppe aus Holz erschlossen. Der Hochaltar im Ostchor wurde zugunsten einer einheitlichen Ebene als Freiraum für Liturgie und neue Feierformen abgebrochen. Zugemauerte Arkaden legten die Architekten wieder frei, außerdem entfernte sie Einbauten aus der Nachkriegszeit wie Beichtstühle, Stuhllager und feste Bänke. Die neuen Beichtstühle und Stuhllager liegen nun raumsparend in vorhandenen Mauernischen. Das neue von den Architekten entworfene Gestühl aus massiver Eiche wurde beweglich gestaltet und kann in Abhängigkeit von der Veranstaltung flexibel aufgestellt werden.

Die Farbgestaltung aller Oberflächen - Putz, Dachstuhl, Einbauten und Möbel - bewegt sich in einem hellen Grauspektrum. Als Bodenbelag und gleichzeitig als Material für Ambo und Seitenaltare wurde Krensheimer Muschelkalk gewählt. Die Wände erhielten einen Kalkputz. In die Wände eingelassene Heizschleifen erfüllen zwei unterschiedliche Anforderungen, einerseits die Grundtemperierung der Kirche und andererseits eine dauerhafte Entfeuchtung der Wandbauteile. Die Fenster wurden zweischalig ausgeführt, um die Energieverluste zu minimieren. Für die historischen Öffnungen kamen maßgefertigte, mundgeblasene Butzenscheiben zur Ausführung. Innen wurde beschichtetes Floatglas vorgesetzt, auf dem sich die Struktur der Butzenscheiben gefiltert abzeichnet.

Bautafel

Architekten: Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth / Würzburg
Projektbeteiligte: Goetz-Neun-Ingenieure GmbH, Nürnberg (Tragwerksplanung); Burghart Ingenieure GmbH, Nürnberg (Elektroplanung); REA Beratende Ingenieure, Würzburg (HLS-planung)
Bauherr: Katholische Kirchenstiftung "Unsere Liebe Frau", Nürnberg
Fertigstellung: 2008
Standort: Königstraße 64, 90402 Nürnberg
Bildnachweis: Oliver Heinl, Rednitzhembach (1 - 6); Brückner & Brückner Architekten, Tirschenreuth / Würzburg (7 - 9)

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