Plattenbau-Wohnblöcke in Leipzig

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Komplettsanierung und Modernisierung als Niedrigenergiehaus im Bestand

Elf Geschosse beträgt die Höhe des in vier Einheiten unterteilten Bauwerks in Leipzig. Insgesamt standen dort 176 Wohnungen zur Verfügung. Vielen ähnlichen Wohnblöcken steht ein "Rückbau", sprich Abriss bevor, da durch die Abwanderung der Bevölkerung Leipzigs (von 720.000 auf unter 500.000 Einwohner seit 1989) eine desolate Situation durch sehr hohen Wohnungsleerstand entstanden ist. Von der Bausubstanz sind alle Plattenbauten energetisch gleich schlecht, da sie vor der -im Osten war ein ähnlicher Einschnitt wie im Westen zu verzeichnen - "Energiekrise" entstanden sind. In diesem Fall war jedoch die Lage am Rand des urbanen Stadtkerns in Leipzig-Lößnig und die Nähe zum Naherholungsgebiet um den Silbersee ausschlaggebender Faktor für die Sanierung des Gebäudes. Damit einhergehend wurde auch eine energetische Modernisierung vorgenommen. Die beiden Längsfassaden sind genau Nord-Süd orientiert. Während die Südfassade auf den umgebenden Grünraum weist, wendet sich die Nordfassade mit den Treppenhäusern dem Stadtkern zu. Unter diesen Voraussetzungen war die Nachfrage nach attraktiven Wohnungen nach einer kompletten Sanierung unter energetischen Prämissen gegeben.

Sanierung/Modernisierung
Da die Wohnungsgrößen in der Regel ausreichend bemessen waren, jedoch sonst keinen größeren Vorteil aufwiesen, sollten zusätzlich - nach heutigen Standardvorstellungen notwendige - Aufbesserungen erfolgen. So wurden an der Südfassade neun nebeneinander liegende Fertigteilbalkon-Türme angedockt, die gleichzeitig den vormalig glatten Baukörper gliedern. Dadurch erhielt jede Wohnung einen Südbalkon. Das oberste Geschoss wurde zum Teil rückgebaut, wodurch acht Penthouse- Wohnungen entstanden. Die freien Dachflächen dazwischen wurden in großzügige Dachterrassen umgewandelt. Die auf Erdgeschossniveau liegenden Wohnungen erhielten einen direkten Zugang zu einem privaten - aus den Gemeinschaftsflächen abgetrennten - Mietergarten. Auch an der Eingangseite im Norden wurden Maßnahmen zur Verbesserung des Wohnwerts erreicht, indem die Eingangsbereiche neu gestaltet wurden. Insgesamt ist das äußere Erscheinungsbild einem optischen "Face-Lifting" unterzogen worden. Farblich wurde ein Gebäudesockel über zwei Geschosse abgesetzt. Auch fand eine Differenzierung der vier Bauteile in unterschiedlichen, aufeinander abgestimmten Farbentönen statt. Wesentlicher Bestandteil der Sanierung war jedoch die energetische Modernisierung.

Die vormalig schlechte Energiebilanz konnte durch die Dämmung der Gebäudehülle aufgewertet werden:

  1. 10 cm Außendämmung
  2. 12 cm Dämmung des Flachdachs
  3. 8 cm Dämmung unter der Kellerdecke
  4. neue Isolierglasfenster mit einem UW-Wert von 1,4 W/m²K
Auch die Haustechnik wurde verbessert: eine neue Fernwärmeübergabestation mit einem KWK-Anteil von 96%, eine Abluftanlage mit Außenwanddurchlässen sowie die Erwärmung des Trinkwassers über eine thermische Solaranlage. Planerischer Clou für die Anordnung: Die Solar-Flachkollektoren wurden in die Brüstungsbereiche der Balkonanlage integriert. Zusätzlich wurde eine Regenwasser-Rückgewinnung eingebaut. Der auf die Dachflächen fallende Regen wird in unterirdische Behälter geleitet und dort zur Bewässerung der Mietergärten vorgehalten.

Die energetisch erreichten Verbesserungen können sich sehen lassen:
  • Der jährliche Primärenergiebedarf betrug vor der Sanierung 184,0 kWh/m²a und konnte auf 44,0 kWh/m²a gesenkt werden, was deutlich unter dem von der Energieeinsparverordnung (EnEV) 2002 geforderten Wert von 71,0 kWh/m²a liegt.
  • Gleichzeitig fiel der spezielle Transmissionswärmeverlust von 1,76 W/m²K auf
    0,56 W/m²K.
  • Dadurch wurden die von der EnEV vorgeschriebenen Werte um 38% bzw 34% unterschritten. Nicht nur für die Mieter ein schönes Ergebnis - für den Planet Erde mit seinen ansteigenden Kohlendioxidwerten ebenso, da der letzlich erreichte Endenergiebedarf bei nur 44,9 kWh/m²a liegt.
Partner im Projekt Niedrigenergiehaus im Bestand der Deutschen Energie-Agentur dena sind: das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung BMVBS, die BASF und der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. BGW.

Bautafel

Planung: Denk Architekten Ingenieure, Leipzig
Projektbeteiligte: Denk Architekten Ingenieure, Leipzig (Haustechnik)
Bauherr: LWB mbH/GS Süd, Leipzig
Fertigstellung: 2004 - 2005
Standort: Hans-Marchwitza-Str. 14-20, Leipzig
Bildnachweis: Deutsche Energie-Agentur

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