Mehrfamilienhäuser in Freiburg
Modernisierung als Niedrigenergiehäuser im Bestand
Bei dem Gebäude handelt es sich um ein dreigeschossiges Wohnhaus mit 24 Wohnungen - je zur Hälfte mit 2- und 3-Zimmer-Einheiten- aus dem Baujahr 1961. Es ist vollständig unterkellert. Parallel zu dem benachbarten Pilotprojekte Rislerstraße 1-5 wurden auch hier einfache Grundrisse vorgefunden, wie sie für die 60er Jahre typisch sind. Die Außenwände bestehen aus Bimshohlblocksteinen, teilweise auch aus Hochlochziegeln und sind 30 cm dick. Die Geschossdecken sind sogenannte „Koch-Decken“, Stahlbetonträger mit eingelegten Bimshohlkörpern und Aufbeton. Der Holzdachstuhl hat eine Neigung von ca. 30°. Die Fenster sind klassische Holzverbundfenster. Beide Gebäude sollten bei unterschiedlichem, energetischem Modernisierungsstandard gut vergleichbar hinsichtlich des Energieverbrauchs, der Baukosten und der Wirtschaftlichkeit sein. Der Bauherr, die Freiburger Stadtbau GmbH, die zahlreiche solcher Wohngebäude aus den Fünfziger und Sechziger Jahren besitzt, wollte aus dem Projekt Erkenntnisse für die zukünftig anstehenden Modernisierungen anderer Gebäude gewinnen. Die Beheizung erfolgte bislang durch Einzelöfen, wobei alle Brennstoffe – Gas, Öl, Kohle und Holz - Verwendung fanden. Als Warmwasserbereitung wurden fast ausschließlich Gasdurchlauferhitzer eingesetzt.
Sanierung/Modernisierung
Das Projektziel war die Begrenzung des Primärenergiebedarfs auf maximal 60 kWh/m²a, Dieser Grenzwert konnte durch die umgesetzten Modernisierungsmaßnahmen tatsächlich auch erreicht werden. Insgesamt können sich die neuen Energie-Kennwerte sehen lassen: 87% Primärenergieeinsparung und 90,5 Tonnen weniger Kohlendioxid pro Jahr.
Die Außenwände wiesen im Zustand vor der Sanierung einen U-Wert von 1,32 W/m²K auf, sie wurden mit Hilfe eines Wärmedämmverbundsystems mit einer Dämmdicke von 20 cm ertüchtigt. Es kam Polystyrol der Wärmeleitfähigkeitsgruppe 040 zum Einsatz, wodurch der U-Wert des neuen Wandaufbaus auf 0,15 W/m² K gesenkt werden konnte. Zusätzlich erfolgte unter dem nicht ausgebauten Dachboden die Verbesserung der Geschossdecke über dem 2. Obergeschoss mit folgendem Aufbau: Polyester/Aluminium-Verbundfolie als luftdichtende Bahn und eine Mineralfaserdämmung WLG 040 mit 20 cm Dicke. Der erreichte U-Wert beträgt damit 0,14 W/m²K. Gleiches gilt für die Kellerdecke. Sie besteht wie alle Geschossdecken aus Stahlbetonträgern mit eingelegten Bims-Hohlkörpern. Die lichte Raumhöhe im Keller betrug nur etwa 2,25 m, der U-Wert der Decke lag bei 1,50 W/m²K. Mittels einer mehrlagigen Dämmung mit einer Gesamtdicke von 10 cm, die von unten aufgebracht wurde, konnte der U-Wert auf 0,30 W/m²K gesenkt werden. Kunststofffenster mit Wärmeschutzverglasung und einem U-Wert von 1,3 ersetzten die bestehenden Holz-Verbundfenster. Den kritischen Punkt mit den Rollladenkästen lösten die Architekten wie folgt: Die Rollläden im EG, die in einem innenliegenden Rollladenkasten untergebracht waren, wurden stillgelegt und mit Mineralwolle ausgestopft. Als neuer Sonnenschutz für alle Etagen kamen Aufsatzrollläden im Wärmedämmpaket zur Ausführung, die zur Vermeidung von Luftundichtheiten in den Gurtdurchlässen elektrisch betrieben werden. Zur Vermeidung von Wärme-/Kältebrücken ist die Balkonkonstruktion auf Stahlstützen gestellt und mit dem Gebäude mittels minimierten Edelstahlankern verbunden worden.
Ebenso entscheidende Verbesserungen konnten im Bereich der Haustechnik realisiert werden:
Die vorhandene Einzelofenbeheizung wurde durch eine neue zentrale Heizungsanlage ersetzt. Im Gebäude gibt es einen Heizraum mit einer Grundfläche von ca. 20 m², der sich im Dachspeicher neben dem Treppenhauskopf befindet. Die Gasbrennwerttherme ist mit 60 kW Leistung ausgelegt, ein Wert der den Anforderungen der Trinkwassererwärmung entspricht. Ergänzend wurde eine solarthermische Anlage mit Flachkollektoren, mit 29 m² Absorberfläche und 750-Liter-Solarspeicher zur Vorwärmung für die Warmwasserbereitung installiert. Die horizontale Verteilung der Heizleitungen erfolgte auf dem Speicherboden innerhalb der Wärmedämmschicht. Die vertikalen Leitungen wurden auf Putz und zumeist in den Ecken der Räume nach unten zum Heizkörper geführt. Zur Minimierung der Wärmeverluste wurden die Heizungs- und Warmwasserleitungen mit Wärmedämmung versehen und ausschließlich durch beheizte Bereiche geführt. Zusätzlich sollte eine Lüftung das Wohnklima verbessern. Die eingebauten Lüftungsanlagen haben nicht nur energetische Auswirkung, sondern garantieren vor allem hygienisch einwandfreie Raumluft und helfen Schimmelpilze zu vermeiden. Die Standorte der Zentralen wurden pro Treppenhauseinheit, d.h. für jeweils 6 Wohnungen im Speicher angeordnet. Im Gebäude wurde eine mechanische Abluftanlage eingebaut, abgesaugt wird in den Küchen und Bädern. Die Frischluft strömt hier über Öffnungen in den Fenstern der Wohn- und Schlafräume nach.
Partner im Projekt Niedrigenergiehaus im Bestand der Deutschen Energie-Agentur dena sind: das Bundesministerium für Verkehr, Bau- und Stadtentwicklung BMVBS, die BASF und der Bundesverband der deutschen Gas- und Wasserwirtschaft e.V. BGW.
Bautafel
Planung: Architektenatelier B. Thoma - G. Henninger-Thoma, Freiburg
Projektbeteiligte: Ingenieurbüro Lenz, Umkirch (Haustechnik); Stahl, Büro für Sonnenenergie, Freiburg (Energiekonzeption + Bauphysik); Ingenieurbüro Stritt, Freiburg (Elektroplanung)
Bauherr: Freiburger Stadtbau GmbH
Fertigstellung: 2005
Standort: Rislerstr. 7-14, Freiburg
Bildnachweis: Deutsche Energie-Agentur (1-3), Architektenatelier B. Thoma - G. Henninger-Thoma (4)
