Fabriksanierung in Pirmasens

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Renovierung eines Industriedenkmals

Im Jahr 1919 entwarf der Architekt Josef Uhl die Fassade für dieses Industriedenkmal in Pirmasens, die 1926 verwirklicht wurde. Sie ist reich nach dem damals vorherrschenden Eklektizismus mit Stilelementen aus dem Barock, der Renaissance, dem Jugendstil und der Antike dekoriert worden. Besonders auffällige Gestaltungen erhielten der Mittelrisalit und die beiden Seitenrisalite, wodurch diese kunstvoll gestaltete Fassade einen beinahe "schlossartigen" Eindruck vermittelt.

Das Gebäude stand nach langer Nutzungsdauer seit 1970 leer. Erst 1990 wechselte es seinen Besitzer, der einen Antrag auf Denkmalschutz initiierte. Eine neue Nutzung sollte derart in das Gebäude integriert werden, dass der ehemalige Zustand sowohl außen als auch im Gebäudeinneren erkennbar bleiben konnte. Mit großem Aufwand implantierte der neue Besitzer den Hauptsitz seiner Firma in die alten Mauern.

Sanierungsarbeiten
Unter diesem Aspekt des Denkmalschutzes und dem gewünschten sensiblem Umgang mit der Substanz beauftragte der neue Hausherr die versierten Architekten Gerhard Landau und Ludwig Kindelbacher. Es wurde ein Masterplan erarbeitet, mit dessen Maßgabe das Gebäude etappenweise im Laufe von mehreren Jahren saniert und modernisiert werden konnte. Zwei Etagen der Hauptflügel reservierte der Unternehmer für die eigene Nutzung, die übrigen Flächen wurden grundsaniert und als Gewerbeflächen an andere Nutzer vermietet. Über eine Toreinfahrt erreicht man den großen Innenhof. Hier befindet sich inzwischen ein Café. Eine vor das Gebäude platzierte gläserne Treppenanlage erschließt alle Geschosse des Gebäudes. Im Obergeschoss wird man vom Entree der Bauherren-Firma empfangen. Diese separierte Eingangshalle bildet den Auftakt der zurückhaltenden Sanierung: wenige Farbtupfer beleben ein dezent in grau und weiß gehaltenes Konzept.

Ein rotes Tor führt in einen hellen Raum, dessen alter Estrichboden repariert und lackiert wurde. Die Wände wurden neu verputzt. Ein ebenfalls roter Tresen als Empfangsmöbel wirkt als Signal für die Eintretenden.

Gleichzeitig dient die nüchterne Formensprache auch als Hintergrund für andere Aktivitäten des als Mäzen agierenden Bauherren. Da in Pirmasens eine öffentliche Kunsthalle fehlt, finden in diesen Räumen auch überregional angesehene Kunstausstellungen statt. Spezielle Drehwände dienen dabei als Präsentationsflächen. Deshalb bleibt der Raum auch nachts unabhängig vom Bürobetrieb zugänglich.

Im 2. Obergeschoss liegt der eigentliche Arbeitsbereich der über 80 Mitarbeiter auf großen zusammenhängenden Flächen, deren unbestrittener Höhepunkt sicher der "Showroom" ist. Hier werden neue Produkte präsentiert und Konferenzen abgehalten. Dieser repräsentative Raum erstreckt sich in der Höhe über zwei Geschosse und war zuvor ein Lichthof. Der ehemals zum Himmel offene Raum wurde mit einer neuen Betondecke geschlossen. Um dennoch Licht ins Innere zu leiten und eine Brandentrauchung zu gewährleisten, enthält diese Decke große Lichtkuppeln. Diese sind aber vom Innenraum aus nicht zu sehen, da sich die Öffnungen unter einem Deckensegel verbergen. Die halb durchscheinende Textilfläche wurde mit einem Himmelmotiv bedruckt. Das Deckensegel lässt sich im Brandfall wegklappen, so dass der Rauch leicht über die geöffneten Brandschutzklappen abziehen kann. Die in den ehemaligen Lichthof führenden Fenster der umliegenden Wände wurden zu wandhohen Durchbrüchen erweitert.

Die anschließenden Büros weisen ein klare Sprache auf. Decken und Wände wurden - soweit notwendig - neu verputzt und weiß gestrichen. Die alten Estriche konnten erhalten bleiben, Risse verharzt und mit abriebfesten Beschichtungen versehen. Die zwischen die alten Stützen eingestellten Büroabtrennungen bestehen aus feinen Glasstahlwänden, wie sie früher auch in den alten Industriehallen üblich waren. Dank passender Halterungen sind diese Wände leicht zu demontieren und können flexibel der wachsenden Mitarbeiterzahl des Unternehmens angepasst werden.

Das renovierte " Neuffer am Park" ist zwischenzeitlich zu einem der bekanntesten Ausstellungsorte in Rheinland-Pfalz geworden.

Bautafel

Architekten/Innenarchitekten: Landau + Kindelbacher Architekten, München
Projektbeteiligte: Tina Allmeier (Projektleitung); Ingenieurbüro Lang-Merz, Pirmasens (Bauleitung); Ingenieurbüro Flieger, Pirmasens (Tragwerksplanung); Gabriele Huy, Pirmasens (Projektsteuerung)
Bauherr: Bernd Hummel GmbH
Fertigstellung: 2006
Standort: Neuffer am Park in Pirmasens
Bildnachweis: Stefan Müller, Berlin

Architektenprofil

landau + kindelbacher
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