Kongresszentrum in Brdo

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Glaspavillon mit gelochten Eichenholzpaneelen

Als erster der neuen Mitgliedsstaaten der Europäischen Union hatte Slowenien im ersten Halbjahr 2008 den Ratsvorsitz inne. Als Standort für den Sitz der EU-Präsidentschaft wurde ein großes Anwesen mit Schloss in Brdo gewählt, einem kleinen Ort knapp 30 km nordwestlich der slowenischen Hauptstadt Ljubljana und etwa 10 km vom internationalen Flughafen Ljubljana Brnik entfernt.

Neben der Umgestaltung war die Erweiterung der bestehenden Gebäude durch ein neues Kongresszentrum erforderlich. Die slowenischen Architekten Matija Bevk und Vasa J. Perović planten das Gebäude als Mehrzweckbau mit Konferenzräumen und einem Saal für Feierlichkeiten. Der zweigeschossige gläserne Pavillon liegt inmitten des Schlossparks. Seine Glaswände und der offene Grundriss erlauben weite Ausblicke in den Park und auf einen hinter dem Gebäude liegenden See.

Der Grundriss ist so konzipiert, dass sich verschiedene Nutzergruppen getrennt voneinander in den Räumen bewegen können: Reguläre Besucher haben Zugang zum Saal und zu der Halle, Ministern und ihrem Anhang stehen persönliche Zimmer zur Verfügung und Journalisten werden in das Pressezentrum geleitet. An einer zurückgesetzten Gebäudeecke befindet sich der Eingang; von dort aus gelangt der Besucher an der Rezeption vorbei in die Haupthalle. Daneben befindet sich eine Bar mit Sitzgelegenheiten an der gläsernen Außenwand. Deren hohe Banklehnen dienen als Wandschirme und lassen einzelne Separees entstehen. Die Büro- und Sitzungsräume sind als Großraumbüros organisiert. Auch hier sorgen Separees für eine Rückzugsmöglichkeit. Mit gläsernen Wänden sind nur einige Bereiche abgeteilt, in denen Ruhe notwendig ist. Ein Atrium im ersten Obergeschoss versorgt die Büros mit Licht und dient gleichzeitig als Garten.

Den Kern des Gebäudes bildet der Saal, der in der Höhe über beide Geschosse reicht. Er ist mit Übersetzer- und Projektionskabinen ausgestattet. Ein kleinerer Saal, der in mehrere Räume aufgeteilt werden kann, sowie eine Küche sind im Untergeschoss angeordnet. Tageslicht erhält der Keller durch die seitliche Abböschung des Geländes. Die doppelte Fassade besteht innen aus Isolierglas mit eingelassenen Lüftungsklappen und der äußeren Hülle, die ebenfalls komplett verglast ist. Spaltöffnungen ermöglichen die Durchlüftung. Im Erdgeschoss ist der Boden mit weißem Marmor belegt, in den Sälen mit Holz. Einheitlich und in hellen, warmen Farbtönen ist die Einrichtung gestaltet. Wenige sorgsam überlegte Details prägen die minimalistische Architektur des klaren Baukörpers.

Akustik
Für eine gute Raumakustik im offen gestalteten Kongresszentrum sorgen Akustikpaneele an den Wänden. Sie bestehen aus Eichenholz und sind mit großen runden Löchern versehen. Im Zusammenspiel mit den eher kühlen Materialien Glas und Marmor erzeugt der warme Farbton der Holzpaneele eine freundliche Atmosphäre. Auf ihrer Rückseite sind die Holzverkleidungen mit einem schalltransparenten schwarzen Stoff überzogen. Sie verringern so die Nachhallzeit und verhindern, dass Schallwellen in den Raum geworfen werden. Neben ihrer akustischen Funktion verbergen die Paneele Installationen, Trennwände und Hilfsräume. Bei Bedarf sind sie zu öffnen, so dass ein Zugang zu den dahinterliegenden Nutzungen möglich ist.

Bautafel

Architekten: Bevk Perović Arhitekti, Ljubljana
Projektbeteiligte: Gradbinec GIP, Kranj (Generalunternehmer); HP, Hiŝa projektov Ivan Hafner,  Ljubljana (Statik); Almont, Slovenska Bistrica (Fassade); Arcadia, Ljubljana (Lichtplanung)
Bauherr: JGZ Brdo
Fertigstellung: 2008
Standort: Brdo, Slowenien
Bildnachweis: Bevk Perović Arhitekti: Miran Kambic, Ljubljana