Renovierung der Zentralbibliothek in Zürich

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Stoffpaneele in Blau und Grün trennen elektronische Arbeitsplätze

Bibliotheken sind ein wichtiger Treffpunkt für Menschen, die sich informieren, gezielt recherchieren, kostenlos an immer neuen Lesestoff gelangen oder ganz entspannt schmökern wollen. Auch wenn die Medien sich im steten Wandel befinden, ihre Zahl sich vervielfacht und zugleich der benötigte Platz für Verwaltungsakten und Karteikästen immer weiter schrumpft, bleiben sie wichtige Bildungseinrichtungen. Die Zentralbibliothek Zürich liegt südöstlich des Hauptbahnhofs im Zentrum der Altstadt, im sogenannten Niederdorf. Das Eingangsgebäude am Zähringerplatz von 1917 wurde zu Beginn der 1990er Jahre aus akutem Platzmangel um einen Erweiterungsbau an der Mühlegasse ergänzt.

Seit 2010 bis etwa 2016 wird das gesamte Haus schrittweise neu geordnet und renoviert: Die Papierbestände der Archive sind weitgehend abgeschafft, die tagesaktuelle Verfügbarkeit der Bücher und Zeitschriften, DVDs und Tonträger sowie alter Karten, Drucke, Handschriften etc. wird über Computer verwaltet. Auch die Anforderungen an die Arbeitsplätze, beispielsweise für Studierende, haben sich geändert, Bildschirmstationen ersetzen heute die zuvor einfachen Tische und Stühle. Der bisherige Umbau nach Plänen der Zürcher Innenarchitekten Gasser Derungs umfasst eine Neustrukturierung des Eingangsbereichs mit Infoschalter und Ausleihe sowie weitere Teile des Katalogsaals im Erdgeschoss der Erweiterungsbaus.

Der Katalogsaal bildet das Herzstück der Bibliothek. Neben Einzelarbeitsplätzen beinhaltet er eine gemeinsame Leselounge, belichtet durch das glasbedeckte Atrium. Die Innenarchitekten schufen ein modulares System unterschiedlich stark abgeschirmter Arbeitsplätze zur Nutzung elektronischer Medien: Es gibt Stühle mit Tischen, die an drei Seiten mit stoffbespannten Elementen in Sitzhöhe eingefasst sind und solche in hohen, eingestellten Boxen für mehr Privatsphäre. Die Medienkanäle sind in die Abtrennungen integriert, ihre Anbindung an die Hauptversorgung ist bestimmend für die Anordnung der Module. Die hohen Kojen tragen ein kräftiges Maigrün, die aufgereihten Nischen sind abwechselnd in drei verschiedenen Blautönen gestaltet. Die geräumige Leselounge im Zentrum der Halle bildet einen warmen Kontrast dazu: Ausladende, dunkelrote Sitzmöbel aus Leder stehen zwischen Regalen mit Zeitschriften und ermöglichen ruhiges Lesen ebenso wie diskrete Gespräche.

Die Tische der Arbeitsmodule sind wie die farbigen Trennelemente rechteckig, die Tischplatten mit schwarzem Linoleum belegt. Als Sitzgelegenheiten dienen die von Egon Eiermann entworfenen Mehrzweckstühle „SE 68“ aus Stahlrohr und schwarz gebeiztem Holz. 

Akustik
Die farbigen, durch ihre textilen Oberflächen geprägten Module, bilden einen Kontrast zu den bestehenden Betonstrukturen im Erweiterungsbau und der weiß verhüllten Technik. Die flexibel einsetzbaren Möbel sind mit schallabsorbierenden Textilien bespannt, damit konzentriertes Arbeiten trotz räumlicher Nähe auch bei vielen Besuchern möglich ist.

Die Tweed-artigen Bezugsstoffe in Grün- und Blautönen sind schwer entflammbar und pflegeleicht; sie erreichen einen Schallabsorptionsgrad von αw 0,55 - 0,65. Besonders ruhig ist es in den separierten Kojen. Die akustischen Eigenschaften der Stoffe wurden zuvor in speziellen Testverfahren des Herstellers überprüft, die Möbel sind das Ergebnis einer engen Zusammenarbeit mit den Innenarchitekten.

Die Außenflächen der Stoffpaneele sind durchgehend dunkelblau und gröber strukturiert als die Innenflächen. Deren Blautöne sind heller und wechseln in jedem Modul. -us

Bautafel

Innenarchitekten: Gasser, Derungs, Zürich
Projektbeteiligte: Création Baumann, Langenthal (Hersteller schallabsorbierende Textilien); Girsberger, Bützberg (Hersteller modulares Möbelsystem)
Bauherr: Stadt Zürich
Fertigstellung: Renovierung 2010-2016
Standort: Zähringerplatz 6, 8001 Zürich
Bildnachweis: Ralph Feiner, Malans, Zentralbibliothek Zürich und Gasser, Derungs, Zürich

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