Der ökologische Rucksack

Friedrich Schmidt Bleek (Hrsg)
Wirtschaft für eine Zukunft mit Zukunft
Hirzel Verlag, Stuttgart 2004
232 Seiten, 20 Abb., 21. Tab., kartoniert
Preis: 18,00 EUR
Der Herausgeber dieses Buches führte 1994 den Begriff „Ökologischer Rucksack“, gemeinsam mit seinem neu entwickelten MIPS Konzept ein. Die Abkürzung MIPS steht für "Material Input pro Service Einheit" und misst den tatsächlichen Rohstoffverbrauch der für ein Produkt oder auch eine Dienstleistung aufgewendet werden muss. Dabei wird nicht nur die Menge natürlicher Rohstoffe gemessen, die das Endprodukt aufweist, sondern auch alle Rohstoffe die während der Herstellung, des Gebrauchs und der Entsorgung anfallen. Laut Schmidt-Bleek trägt jedes Kilo Industrieprodukt 30 Kilo Rohmaterial mit sich herum.
Das in diesem Zusammenhang oft verwendete Beispiel des Baumwoll-T-Shirts veranschaulicht den enormen Rohstoffverbrauch unserer täglichen Konsumgüter: Ein T-Shirt aus Baumwolle wiegt nur ein paar hundert Gramm, sein ökologischer Rucksack ist allerdings 4.583,70 Kilo schwer. So werden beim Waschen der Baumwolle mehrere Liter Wasser benötigt, der Transporter, der sie von der Baumwollplantage zur Fertigung bringt, schluckt 10 Liter Benzin und die Nähmaschine, mit der das T-Shirt in Form gebracht wird, verbraucht wiederum Energie. Und während der gesamten Lebensdauer des T-Shirts, sowie bei dessen Entsorgung, füllt sich der tonnenschwere Rucksack immer weiter. So hat jedes Endprodukt anteilig seinen Beitrag am weltweiten, enormen Rohstoffverbrauch zu schultern und es wird klar warum die erschreckenden Vorhersagen über eine Zukunft ohne unsere endlichen Ressourcen, ernst zu nehmen sind.
Auch Friedrich Schmidt-Bleek setzt sich für eine drastische Reduktion unserer natürlichen Reserven ein und erklärt in Der ökologische Rucksack nicht nur das MIPS Konzept, sondern fordert auch mit seiner Faktor 10-Formel eine zehnfache Effizienzsteigerung des Materialeinsatzes. Neben vielen unterschiedlichen Initiativen, die es sich zur Aufgabe gemacht haben in ihrem Bereich nachhaltiger zu wirtschaften, werden auch Zukunftsprojekte vorgestellt und mit ihnen gezeigt was möglich ist und was in Sachen Nachhaltigkeit und Rohstoffeinsparung noch passieren könnte.
Das Projekt NOAH (Niedrigenergie Optimierte Alternative Hausbautechnologie) des Schweizer Unternehmens Häring zeigt beispielsweise, wie man mit materialeinsparender und logistikoptimierter Fertigung, kürzere Bauzeiten und somit Kosteneinsparungen erreicht und dabei gleichzeitig nachhaltig und ökonomisch wirtschaftet.
Der Beitrag "Zukunftsfähiges Wohnen" verbindet einen Rückblick auf vergangene Energieeinsparungen im Wohnungsbau der letzten 30 Jahre, mit einem Ausblick auf die weiteren möglichen Dematerialisierungsmaßnahmen der Zukunft.
Themen u. a.:
- Warme Füße
Warum die Nutzung von Erdwärme zur Energiegewinnung von zentraler Bedeutung sein könnte - Zukunftsfähiges Wohnen
Wie Dematerialisierungsstrategien für den Wohnbau aussehen können - Faktor 40 mit heißer Luft
Wie eine Holzofensauna ein ganzes Haus beheizt - Projekt NOAH
Wie man beim Bauen und Wohnen kleinere Rucksäcke schneidern kann
Friedrich Schmidt-Bleek arbeitete u.a. beim Umweltbundesamt in Berlin und für die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD). Außerdem leitete er gemeinsam mit Ulrich von Weizsäcker das Wuppertaler Institut für Klima, Umwelt und Energie und ist heute Präsident des Faktor 10 Instituts in Frankreich.
