Glasbau Atlas

von Christian Schittich, Gerald Staib, Dieter Balkow, Matthias Schuler und Werner Sobek

Birkhäuser Verlag, Basel 2006

2., überarbeitete und erweiterte Auflage, 352 Seiten, 1.350 Illustrationen, 350 in Farbe, gebunden
Preis: 110,00 EUR

ISBN 978-3-7643-7632-1

Der neue Glasbau Atlas kommt etwas dicker daher und in der gebundenen Ausgabe auch robuster als die vorangegangene Auflage. Das motiviert schon zu Anfang, einmal genauer reinzuschauen.

Der Teil 1 "Glas in der Architektur" von Gerald Staib und Christian Schittich stellt sauber recherchiert den historischen Kontext her und überzeugt in der Kombination des Textes mit den Bildern und Zeichnungen. Der erste Abschnitt in diesem Teil behandelt die Glasarchitektur von den Ursprüngen bis zur klassischen Moderne, im zweiten Abschnitt sind jetzt auch aktuelle Projekte wie das British Museum, der Lehrter Bahnhof oder das Museum MUSAC enthalten. Es macht einfach Spaß, so viele schöne Projekte an verschiedenen Aspekten des Glases gebündelt zu sehen und erläutert zu bekommen.

Teil 2 "Grundlagen" behandelt den "Baustoff Glas", "Konstruieren mit Glas" und "Glas und Energie". Besonders die beiden letzteren Abschnitte überzeugen, weil sie für Architekten die wesentlichen Grundlagen zu Konstruktionen mit Glas und bauphysikalische Eigenschaften anschaulich erläutern. Besondere Stärke sind auch hier die Bilder und Skizzen, die eine größere Aussagekraft haben als der Text.

Ein Fremdkörper dagegen bleibt der Abschnitt "Der Baustoff Glas", denn vieles, was hier beschrieben wird, wiederholt sich in den nachfolgenden Abschnitten in kompakterer Form und einige Schwerpunkte sind nicht ganz nachvollziehbar. Beispielsweise erschließt es sich nicht, warum eine halbe Seite für eine Tabelle zur Abhängigkeit des U-Wertes von der Emissivität bei Zweifach- und Dreifach-Isoliergläsern nötig ist.

Die beiden Teile 3 und 4 greifen das Konzept der Zeitschrift "Detail" auf und zeigen Konstruktionsdetails und gebaute Beispiele mit ihren Details. Grafisch sind sie schöner aufbereitet als im alten Glasbau Atlas (z.B. ist das Glas grünlich eingefärbt, was die Lesbarkeit erheblich verbessert). Und für Architekten bietet es einen guten Fundus. Schade, dass es etwas ähnliches nicht für Bauingenieure gibt; Statiken anhand von ausgeführten Beispielen werden wohl doch zu umfangreich. Und der Ingenieur muss sich damit abfinden, dass die Architekten mit den Beispielen aus dem Glasbau Atlas kommen und erstaunt sind, wenn sich herausstellt, dass vieles, was hier gezeigt sind, keineswegs Standard-Konstruktionen sind und manches nicht ohne weiteres übertragen werden kann. Aber als Ingenieur wächst man ja auch mit der Aufgabe.

Fazit: sehr zu empfehlen, besonders für Architekten.