Glasbau-Praxis - Konstruktion und Bemessung

Bernhard Weller, Felix Nicklisch, Sebastian Thieme, Thorsten Weimar

Bauwerk-Verlag, Berlin 2009

263 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und Tabellen, 24 cm, kartoniert
Preis: 39,00 EUR

ISBN 978-3-89932-190-6

Im konstruktiven Ingenieurbau hat sich Glas neben den klassischen Baustoffen Stahl, Stahlbeton und Holz einen festen Platz erobert. Berücksichtigt man, dass die Fassaden im Hochbau inzwischen oft einen höheren Anteil an den Gesamtkosten eines Gebäudes haben als das Tragwerk, ist dies kein Wunder.

Das vorliegende Buch ist eine Neuauflage des in der Fachwelt bekannten Buches "Glasbau-Praxis in Beispielen" aus dem Jahr 2005. Inzwischen hat sich der Stand der Technik im Glasbau weiterentwickelt. Dem trägt die Neuauflage mit mehr als doppelt so viel Seiten Rechnung. Inhaltlich wurden einige Grundlagen zum Konstruieren mit Glas ergänzt und in einem Beispiel gehen die Autoren auch auf die punktförmig gelagerten Verglasungen ein. Denn mit den "Technischen Regeln für die Bemessung und Ausführung punktförmig gelagerter Verglasungen (TRPV)" sind für die Standardanwendungen dieser Verglasungen bauaufsichtliche Regelungen eingeführt worden. Außerdem wurde im Buch die Umstellung der Lastnormen der DIN 1055er-Reihe berücksichtigt.

Gut und wichtig ist auch das Kapitel über baurechtliche Grundlagen, Zulassungsverfahren und dem Instrument der "Zustimmung im Einzelfall" sowie die Integration der Regelwerke im Anhang. Leider sind die baurechtlichen Vorgaben (auch durch die Bauregelliste) inzwischen so kompliziert geworden, dass selbst Eingeweihte nicht immer durchblicken.

Noch ein kleiner Verbesserungsvorschlag für die nächste Auflage: Bei den eingefügten Beispielen mit Finite-Element-Berechnungen wäre eine farbige Darstellung schön und besser für den Leser nachzuvollziehen. Zudem wird im Buch bei der Bemessung des Glases mit Windlasten nach DIN 1055-4 für den aerodynamische Beiwert cp immer cpe,10 verwendet, obwohl noch umstritten ist, ob zwischen cpe,10 und cpe,1 linear interpoliert werden muss.

Die neue Auflage kann besonders für Einsteiger im konstruktiven Glasbau sehr empfohlen werden. Durch die klare, logische Struktur, in der die wichtigsten Verglasungen nacheinander anhand von Beispielen behandelt und dabei immer die aktuellen Vorschriften im Glasbau berücksichtigt sind, findet der Leser schnell einen Zugang zur Materie. Vereinfacht wird dies durch den Verweis auf die jeweiligen Vorschriften in der Randspalte. Und die warnenden Hinweise auf das „andere“, spröde Material­verhalten von Glas und die Wichtigkeit einer guten konstruktiven Durchbildung fehlen auch nicht.

Insgesamt ist das Buch eine Bereicherung für alle, die sich mit dem konstruktiven Glasbau beschäftigen und wird dazu beitragen, den Werkstoff Glas progressiv in der Baupraxis einzusetzen. Es eignet gut für die Lehre und sollte in keinem Ingenieurbüro fehlen.