Innenarchitektur heute

Jennifer Hudson
55 Designer und ihre neuesten Projekte
Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007
1. Auflage, 352 Seiten, 19,5 x 25,0 cm, mit ca. 400 Farbabbildungen, gebunden
Preis: 49,95 EUR
In diesem Kompendium über zeitgenössische Innenraumgestaltung werden insgesamt 55 Designer und Innenarchitekten mit ihren wichtigsten Projekten vorgestellt. Interessant dabei ist, dass nur einige ausgebildete Innenarchitekten dabei sind - die meisten sind Architekten, manche Industriedesigner und wenige Autodidakten. Warum dieses Berufsfeld so beliebt ist, begründet die Autorin in der Einleitung: "Architekturprojekte dauern lange, sind mühselig und zeitintensiv. Dagegen sind Innenräume leichter an den Zeitgeist anzupassen und von begrenzter Lebensdauer; die oft kleinen Projekte lassen sich schnell ausführen. Sie eignen sich für das Ausprobieren ausgefallener Designideen und das Experimentieren mit Materialien."
Die vorgestellten Projekte zeigen vorrangig repräsentative und gewerbliche Nutzungen: Verkaufsräume, Hotels und Gastronomie. Die Gestalter (renommierte wie Graft, Antonio Citterio, Eva Jiricna oder Morphosis, weniger bekannte wie Matali Crasset und Maurice Mentjens) werden eingeführt mit einer Erläuterung ihres beruflichen Werdegangs und den dabei entscheidenden Einflüssen. Dann folgt eine Schilderung ihrer Projekte mit der jeweiligen Herangehensweise bzw. Entwurfsphilosophie - als Quelle dienten der Autorin Interviews.
Auffallend viele Beispiele zeigen Innenräume mit einheitlichem Dekor in allen Dimensionen: Boden, Wand und Decke gehen fließend ineinander über. So in einem Weinkeller in Maastricht von Maurice Mentjens, dessen Fliesen, Wandoberflächen und Tonnengewölbe ein gotisches Motiv ziert, das sich auf die mittelalterliche Entstehungszeit des Raumes bezieht. Oder in einem langen schmalen Raum für eine Firma in Barcelona, die Bodenbeläge herstellt. Francesc Rifé schuf hier einen Tunnel aus Mustern, die eine Rundum-Collage bilden. Zu nennen wäre ebenfalls ein Nachtklub in Helsinki, dessen Inneres einschließlich der Möbel vollständig mit Auslegware im Barockstil bedeckt ist.
Als Nachschlagewerk und Inspirationsquelle ist dieses Buch geeignet. Für eine vertiefte Auseinandersetzung fehlen Pläne, Skizzen und oft auch aussagekräftigere Bilder, denn diese sind teilweise perspektivisch stark verzerrt, zu klein oder setzen zu sehr auf Effekte. Etwas weniger Glitzer, Glanz und Glamour hätte dem Werk gut getan - die Fotos lassen teilweise an eine Imagebroschüre des jeweiligen Unternehmens denken. Eine Dokumentation der ausgewählten Innenarchitekturen leistet der Band nicht, eher eine werbewirksame Kurzvorstellung der Design- und Planungsbüros.
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